Apr 282020
 
Bekmann, Historische Beschreibung

Im 1751 erschienenen ersten Band der „Historischen Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg“ von Johann Christoph Bekmann und Bernhard Ludwig Bekmann ist das Jagdschloss Stern soweit ersichtlich erstmalig erwähnt. Die Beschreibung auf der Seite 785 erwähnt die von König Friedrich Wilhelm I. in Wusterhausen und Potsdam angelegten Thiergärten und enthält eine Darstellung des Gebäudeensembles an dem ursprünglich 16-strahligen Potsdamer Jagdstern, „welches dem Ort ein sehr schönes Ansehen macht, und der der Grosse Stern genennet wird“. Der Autor stellt alle drei Häuser und ihre jeweilige Nutzung vor und belegt damit zugleich die Existenz des später abgetragenen königlichen Jagdpavillons, der hiernach dem König als Unterkunft diente, während der mit den Geweihen des Großen Hans (zum Großen Hans siehe auch die Ausführungen auf der Seite 778) dekorierte Saal im Jagdschloss zum Speisen genutzt wurde. Mit dem dritten Gebäude mit 12 Gemächern, in dem sich das ganze Gefolge einquartierte, ist zweifellos das Kastellanhaus gemeint, während der ehemalige Pferdestall und die weiten Nebengebäude nicht gesondert erwähnt sind. Ungenau ist allerdings die Bemerkung, dass der König alle drei Gebäude „nach holländischer Bauart von Holz durch einen Grenadier von dero königlichem Leibregiment“ habe aufrichten lassen. Tatsächlich war nur das Jagdschloss im holländischen Stil, aber aus Ziegelsteinen gebaut, während der königliche Pavillon und das Kastellanhaus sowie der Pferdestall in traditioneller Fachwerkbauweise errichtet wurden. Die Tätigkeit eines aus Holland stammenden Grenadiers und ausgebildeten Zimmermanns namens Cornelius van den Bosch bei der Bauausführung des Jagdschlosses ist dagegen aus noch erhaltenen Bauakten belegt; die Aufsicht hatte der Ingenieur-Kapitän und Hofbaumeister Pierre de Gayette. Die Erwähnung dieses Details im Gegensatz zu der offensichtlich falschen Darstellung, dass es sich sämtlich um Gebäude „nach holländischer Bauart von Holz'“ handele, weist darauf hin, dass der Autor den Ort nicht selbst aufgesucht, sondern sich bei seinen Beschreibungen auf Erzählungen oder andere Quellen gestützt hat. 

Die Passage zum Jagdschloss Stern finden Sie hier:

Bekmann zu JS Stern

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Ein bemerkenswertes Detail ist die Beschreibung, dass auf einem dieser Häuser (wohl am Jagdschloss) oben die Fabel des Actaeon abgebildet sei mit folgender holländischer Aufschrift:

Laet geen oog wyt heen schyten,/ Want het kan tot quaad gedien,/ Dat gy niet en moogt genieten,/ En behoeft gy niet de Zien.

zu Deutsch:

Lass den Blick nicht weit umherschweifen,/ denn es kann zum Unheil führen,/ auf dass ihr nicht möget genießen,/ was ihr nicht sehen solltet.  

Diese Umschrift verweist auf die aus Ovids Metamorphosen bekannte Version der Sage des Jünglings Actaeon (griech. Aktaion), der auf der Jagd die Göttin Diana beim Bad überrascht, woraufhin sie ihn in einen Hirsch verwandelt und er von seinen eigenen Hunden zerfleischt wird.

Danach war seinerzeit über der Eingangstür des Jagdschlosses wohl eine Holztafel mit einem Gemälde der Verwandlung des Actaeon und mit diesem Sinnspruch befestigt. Solche Tafeln waren in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts sehr verbreitet (vgl. Hieronymus Sweerts, Koddige en ernstige Opschriften op Luyffens, Wagens, Glazen, Uithangborden en andere Taferelen, Amsterdam 1698) und es ist anzunehmen, dass Friedrich Wilhelm I. ein solches Tafelgemälde mit dem sowohl zur Hirschjagd als auch zum vertraulichen Charakter der geselligen Runden des Königs passenden Motiv in den Niederlanden erworben hatte und an seinem holländischen Jagdhaus anbringen ließ. Vor dem Hintergrund dieser Beschreibung bei Bekmann hat der Potsdamer Bauhistoriker Norbert Blumert die sehr nachvollziehbare Vermutung geäußert, dass das nachweislich erst Anfang des 19. Jahrhunderts über der Tür angebrachter Relief mit jagdlichen Motiven nicht den Kopf der Göttin Diana zeigt, sondern tatsächlich den Kopf des Jägers Actaeon, der hier durch das Laub schaut, bevor er von Diana und ihren Gefährtinnen entdeckt und so grausam bestraft wird. Damit wäre das ursprüngliche Motiv hier in künstlerisch abgewandelter Form wieder aufgegriffen worden. 

2_Schloss_3   

Am Ende der Beschreibung folgt die lakonische Bemerkung, dass beide diese Thiergarten nach 1740 (dem Todesjahr des Königs) aber allgemach wieder eingegangen seien.

 

Zu den Autoren:

Johann Christoph Bekmann wurde 1641 in Zerbst geboren und wirkte bis zu seinem Tode im Jahre 1717 an der Universität Frankfurt (Oder). Er hatte dort nacheinander die Professuren für Griechisch, Geschichte und Theologie inne und publizierte zahlreiche Werke in mehreren Fachgebieten. 1707 erteilte ihm der preußische König Friedrich I. den Auftrag, eine Geschichte der Mark Brandenburg zu verfassen. Zu diesem Zweck wurden Fragebögen an Pfarrämter und Magistrate verschickt, Literatur ausgewertet und Archive durchforscht. Die Drucklegung der riesigen Materialsammlung erlebte Bekmann jedoch nicht mehr.
Erst sein Großneffe Bernhard Ludwig Bekmann (1694–1760), Lehrer am Joachimsthalschen Gymnasium, setzte 1740 auf Wunsch Friedrichs des Großen die Arbeiten fort. 1751 und 1753 erschienen daraufhin zwei Bände der „Historischen Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg“. Während der erste Band eine allgemeine Landeskunde enthält, folgte im zweiten Band eine detaillierte Beschreibung der links und rechts der Elbe gelegenen Altmark und Prignitz. Eine Fortsetzung für andere märkische Landschaften unterblieb vermutlich aus Kostengründen. Die unveröffentlichten Handschriften werden im Geheimen Staatsarchiv Berlin aufbewahrt.

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