Mrz 282020
 
Ornamentfliese JS Stern

 

König Friedrich Wilhelm I. hatte durch seine Verwandtschaft mit dem Haus Oranien und Reisen in das nördliche Holland eine besondere Vorliebe für die holländische Kultur und Lebensart. In holländischen Bürgerhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts waren Küchen, Flure, Wandbereiche um Kamine und Kochstellen vielfach mit Fayencefliesen verkleidet. In Küchen wurden blau-weiß oder manganfarben bemalte Fliesen üblicherweise nur als Blickpunkt für die Rückwand der Kochstelle verwendet und die Wände im Übrigen weiß gefliest. Unregelmäßigkeiten in Oberfläche und Farbe entstanden durch die handwerkliche Fertigung und den Brennvorgang. So konnten auch rein weiß geflieste Flächen einen lebendigen Raumeindruck vermitteln. 

Die großflächige Verlegung von bemalten Fliesen zur Dekoration ganzer Räume kam erst durch die Gestaltung von Sommerspeisesälen in Schlössern in Mode. Ein Beispiel hierfür ist die um 1720 von Friedrich Wilhelm I. veranlasste Herrichtung des Fliesensaals im Schloss Caputh.

Von der originalen Fliesenausstattung im Jagdschloss Stern sind noch die als Scheuerleiste zum Schutz der weißen Wände im Flur und im Adjutantenzimmer verlegten manganfarbenen Ornamentfliesen erhalten. Sie wurden vermutlich in einer Rotterdamer Manufaktur hergestellt und zeigen ein charakteristisches Dekor aus stilisiertem Blattwerk, einer Nelke (lat. Dianthus, nl. Anjer) und einer Schachbrettblume (lat. Fritillaria meleagris, nl. Kievitsbloem).Vergleichbare Motive sind auch aus Fliesenwerkstätten in Harlingen, Makkum und Utrecht nachgewiesen.

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Am 16. Juni 2019 wurde im Beisein der Chefrestauratorin der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Kathrin Lange, und der Leiterin des Fachbereichs Porzellan, Keramik, Glas in der SPSG, Uta Scholz, die neue Dauerausstellung zur Restaurierung der historischen Fayencefliesen im Jagdschloss Stern eröffnet. 

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Die Ornamentfliesen

Bei der Errichtung des Jagdschlosses Stern 1730-32 wurden als Scheuerleiste zum Schutz der weißen Wände im Flur und im Adjutantenzimmer manganfarbene Ornamentfliesen verlegt. Sie waren zwar stark beschädigt, aber überwiegend noch in situ vorhanden. Die Darstellung in der rechten Vitrine vermittelt einen Eindruck von der aufwändigen Restaurierung dieser Fayencefliesen. 

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Restaurierung 2

 

Die Wandfliesen der Küche

In der linken Vitrine sind die noch erhaltenen Fliesenreste der originalen Wandverkleidung in der Küche ausgestellt.

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Ein Foto aus den 1930er Jahren belegt, dass die Wand über dem Rauchfang weiß gefliest und die Rückwand der Kochstelle nur verputzt war. Ob dies dem ursprünglichen Zustand entspricht und wie die gefliesten Flächen im Übrigen genau ausgesehen haben, lässt sich nicht mehr ermitteln.

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Zustand 1930er Jahre (Foto: Hans E. Pappenheim) 

 

Zustand 1970er Jahre

Zustand 1978 (Foto: Adelheid Schendel)

 

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Holländische Küche (Rembrandthuis, Amsterdam)

Bei der Restaurierung des Jagdschlosses in den 1980er Jahren wurde die Küche mit industriell gefertigten Fliesen ausgestattet, die infolge ihrer ebenmäßigen Struktur und Verlegung leider nicht dem originalen Raumeindruck entsprechen.

Aktueller Zustand

Ein gehängtes Tableau mit in traditioneller Weise handgefertigten Fliesen soll einen Eindruck vermitteln, wie die ursprüngliche Wandoberfläche gewirkt haben könnte.

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Als besonderes Souvenir können die Besucherinnen und Besucher einen Dekormagneten (6,4 x 6,4 cm) mit dem Motiv der Schachbrettblumenfliese aus dem Jagdschloss Stern zum Spendenpreis von 3,00 EUR erwerben.

Der Förderverein Jagdschloss Stern-Parforceheide e.V. hat zudem eine limitierte Auflage von originalgetreuen Nachfertigungen der Schachbrettblumenfliesen aus dem Jagdschloss Stern (Format 13 x 13 cm) in einer traditionellen Fliesenmanufaktur herstellen lassen, die künftig als „Spendensteine“ für die angestrebte Rekonstruktion der Schlossküche angeboten werden.     

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