Jul 032016
 
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Was als Leseabend zu Jakob Paul von Gundling angekündigt war, entpuppte sich als Zeitreise an den Hof Friedrich Wilhelms I. In einer beeindruckend intensiven Darstellung verkörperte der Schauspieler und Autor Christian Schramm jenen Jakob Paul von Gundling, hochgelehrter und von König hochgeehrter Professor und Präsident der Preußischen Akademie der Wissenschaften und doch ein gebrochener Mann und Spielball der Mächtigen am Hofe.

Der mit 45 Besuchern ausverkaufte Saal wurde Zeuge eines intimen Kammerspiels um die Auseinandersetzung Gundlings mit seinem Herrn und König, einer Hassliebe, die Christian Schramm weit über das Vordergründige des immer wieder brutal gemobbten Hofnarren hinaus als Konflikt zwischen Absolutismus und Aufklärung interpretierte. Geradezu körperlich erlebbar wurden das Seelenleben Gundlings im Wechselbad der Gefühle und seine Qualen, die er im Tabakskollegium und bei der Jagd zu erleiden hatte, bis zu seinem Tod mit dem makabren Schauspiel der Beisetzung in einem Weinfass als letzter, endgültiger Demütigung.

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„So schafft man Ruhe im Land“, war das bittere Motto des Abends. Und doch gelang es Christian Schramm, diese beklemmenden und historisch verbürgten Episoden aus dem Leben Gundlings künstlerisch so zu brechen, dass es als Schau-Spiel für die Zuschauer am Ende noch ertragbar blieb. Minutenlanger Beifall krönte diese herausragende schauspielerische Leistung.

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