Feb 152016
 

Stationierung von Truppen des Vereinigten Königreichs und den USA in der Sowjetischen Besatzungszone während der Potsdamer Konferenz

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Peter Ernst

Die Sowjetunion als Herrscher in der ihr zugefallenen Besatzungszone empfing in dem unbeschädigten Schloß Cecilienhof den Amerikanischen Präsidenten Truman und den Britischen Premierminister Churchill zur Potsdamer Konferenz. Für ihren Schutz kamen nach Potsdam entsprechende nationale Militärkontigente. Darüber habe ich bisher nichts gehört oder gefunden. Deshalb möchte ich schildern, was ich persönlich dazu erlebt habe.

Ich war nach 4 Jahren Volksschule in meinem Wohnort Güterfelde seit 1942 Schüler im Realgymnasium Althoffschule Babelsberg, heute Bertha von Suttner Gymnasium.

Nach dem Ende der Kämpfe biwakten im Wald und in unseren Gärten russische Soldaten unterschiedlicher Herkunft mit ihren kleinen Panjewagen. Diese hatten eine weite Reise und erschöpfende Kämpfe hinter sich und brauchten Entspannung. Zu einer richtigen Siegesfeier gehörten naturlich auch weibliche Partner. Entsprechende Nachrichten hatten die Frauen und Mädchen mittels Makeup mit Ruß und Schmutz „krank“ und mit Lumpenkleidung unattraktiv werden lassen. Doch alles war vergeblich, so abstoßend im wahrsten Sinne des Wortes, konnte keine Frau sein, daß sie von den Soldaten verschmäht wurde.

In dieser Situation kamen plötzlich Konvois westlicher Aliierter bei uns in Richtung Potsdam vorbei. Für die Bevölkerung in der von der Sowjetunion besetzte Zone bedeutete dieses eine Sensation. Plötzlich standen hübsche junge Mädchen am Straßenrand und winkten den Soldaten zu. Die Wirkung auf die sowjetischen Bündnispartner war entsprechend, wie ich noch berichten werde.

Mein Schulweg führte immer über die Großbeerenstraße, und Klassenkameraden wohnten am Stern wo wir oft die Freizeit verbrachten. Jetzt streifte ich täglich durch Feld und Flur auf der Suche nach etwas Essbaren. Dadurch entdeckte ich sofort die Einquartierung englischer Soldaten im Jagdschloß. Mit meinem Schulenglisch sprach ich diese an und hatte sofort Kontakt. Schnell kam die Frage: „Oh can you help us in the kitchen?“ „Oh yes” An der Quelle saß der Knabe, also Hunger hatte ich ab jetzt nicht mehr. Bald nahm ich nette Soldaten mit nach Hause, die bald regelmäßige Abendbesucher waren. Sie begutachteten meine Englisch-Aufsätze und waren für den Familienanschluß dankbar, daß sie praktisch jeden Abend zu Gast waren. Meine nicht Englisch sprechende Tante war über den Satz: „I come to see you tonight“ tief erschrocken, bis ich aufklärte, daß es eine Ankündigung nur für den Abend war. Eines Tages waren die Gäste ausgeblieben. Beim Nächsten Besuch berichteten sie daß es einen Zwischenfall gegeben hätte. Auf dem Heimweg waren sie von Soldaten ihres Bündnispartners unter Beschuß genommen worden. Wie im Krieg mußten sie in dem damals noch beiderseits vorhandenen Chausseegraben zurück in ihr Quartier robben. Zum Glück kamen sie dort heil an. Die Einquartierung im Jagdschloß bestand aus ca 30 bis 40 kanadischen Soldaten. Sie schliefen im Saal des Schlosses aber nutzen die Feuerstelle der Küche nicht, sondern hatten eine mit Benzin beheizte kanalartige Kocheinrichtung auf den Fußboden gestellt, auf der die Töpfe gestellt wurden. Fleisch von mir unbekannter Qualität und Gemüse wurde eingeflogen. Es waren sehr ordentliche Menschen, die nach meiner Kenntnis keine Beschädigungen am Schloß verursachten.

Auf der Wiese hinter dem Kastellanhaus standen ihre Jeeps und Motorräder. Das war eine Attraktion, die alle Welt anzog. Es gab großes Interesse auch an ihren Zigaretten. Mädchen kamen und neugierige Russen.

Eine weitere Gruppe hatte sich an der Kreuzung der Großbeeren- mit der Steinstraße ein Camp im Wald aufgebaut. Diese für mich schöne Zeit fand zusammen mit der Potsdamer Konferenz leider ihr Ende.

Diese Episode der Nachkriegszeit hat bisher wohl keinen Eingang in die Geschichtsbücher und Chroniken gefunden. Ich bin nicht sicher, daß in den Archiven der Schlösserstiftung vermerkt ist, in welchen ihrer Gebäude während der Potsdamer Konferenz es Einquartierungen gab. Deshalb habe ich diese, meine Erinnerungen zu Papier gebracht.

peter E R N S T

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