
So könnte es ausgesehen haben, als vor fast 300 Jahren König Friedrich Wilhelm I. seine Jagdgäste zum geselligen Beisammensein nach der Parforcejagd in seinem holländischen Haus am Stern empfangen hat. Die Jagdtafel im Saal mit den langen Sitzbänken wurde eigens für das Jagdschloss Stern anhand der Abbildung auf dem Gemälde des Tabakskollegiums im Schloss Königs Wusterhausen von Hofmaler Georg Lisiewski (1674–1750) nachgefertigt. Aus dieser illustren Tafelrunde wird neben dem König jedenfalls der in dem Gemälde in roter Jagduniform abgebildete Ober- und Hofjägermeister Georg Christoph Graf v. Schlieben regelmäßig an den Zusammenkünften im Jagdschloss Stern teilgenommen haben (siehe hierzu den Beitrag „Der Mann in Rot„).

Georg Lisiewski, Das Tabakskollegium Friedrich Wilhelms I. im Schloss Königs Wusterhausen (SPSG, GK I 2873)
Zwar ist die Raumgestaltung im Saal des Jagdschlosses Stern mit dem schlichten Dielenboden, dem offenen Kamin, der Wandvertäfelung mit den eingelassenen Jagdgemälden und den prächtigen Geweihen des „Großen Hans“ noch weitgehend im originalen Zustand erhalten. Das ursprüngliche Mobiliar ist jedoch im Laufe der Zeit verloren gegangen. Ein Inventarverzeichnis aus dem Jahr 1826 nennt als Ausstattung des Saales nur noch u.a. „einen langen, mit Oelfarbe gestrichenen Tafeltisch von Kiefernholz und eine alte, ganz unbrauchbare Sitzbank“.
Bei der Wiederbelebung der Parforcejagden am Jagdschloss Stern unter Prinz Carl von Preußen um 1840 wurde für die prinzlichen Jagdessen im Saal eine lange Tafel mit dazu gehörenden Stühlen angeschafft, die ebenso wie der stilistisch nicht zur Entstehungszeit des Schlosses passende Glasleuchter bis in die 1940er Jahre zum Inventar gehörten. Die beigefügten Abbildungen zeigen den Zustand des Saals im Jahr 1919 (in: Der Teltow, Bd. II (1920), S. 51) bzw. in den 1930er Jahren (in: Die Kunstdenkmäler des Kreises Teltow (1941), Abb. 513).

Diese im Wesentlichen aus dem 19. Jahrhundert stammende Ausstattung wurde dann offenbar im oder kurz nach dem zweiten Weltkrieg entfernt, wobei es bisher keine Belege für den Verbleib des Mobiliars gibt. Als das im Juli 1945 von einer Einheit des Begleitkommandos der britischen Delegation bei der sog. Potsdamer Konferenz bezogen wurde (siehe hierzu auch den Beitrag „Britische Soldaten im Jagdschloss“ mit Erinnerungen eines Zeitzeugen), dürfte das Gebäude bereits unmöbliert gewesen sein.
In den 1950er und 1960er Jahren diente das Jagdschloss Stern dann als Unterkunft für Ferienspiele von Kindergruppen, die im Saal eine Mittagsspeisung erhielten und im Anschluss daran auf dort ausgelegten kleinen Matratzen auch ihren Mittagsschlaf halten „mussten“, wie ein Zeitzeuge augenzwinkernd berichtet (siehe den Beitrag „Zeitzeugen – Freunde und Förderer erinnern sich„). Wann der in den 1970er Jahren offensichtlich mutwillig herbeigeführte Verfall des Gebäudes einsetzte (siehe den Beitrag „Zeitreise 1980„), ist leider nicht dokumentiert. Umso verdienstvoller erscheint die Mitte der 1980er Jahre endlich erfolgte Restaurierung des Jagdschlosses durch die Verwaltung der „Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci“, die Vorgängerin der heutigen Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). Das nach der Restaurierung im Jagdschloss Stern präsentierte Mobiliar wurde von der SPSG nach der im Jahr 2000 abgeschlossenen Restaurierung des Schlosses Königs Wusterhausen und dessen Herrichtung als Themenmuseum für Friedrich Wilhelm I. dorthin verbracht.
Bei der durch den Förderverein Jagdschloss Stern-Parforceheide e.V. ermöglichten Wiedereröffnung des Schlosses im Jahr 2003 war das Gebäude bis auf die Geweihe des „Großen Hans“ im Saal und die kurz danach dann auch noch entfernten Gemälde im Saal des Schlosses (siehe hierzu den Beitrag „Nicht durch die Lappen gegangen – Die Gemälde im Jagdschloss Stern„) leer. Bei den Führungen bestand insofern die Herausforderung, die ursprüngliche Nutzung und Ausstattung den Besucherinnen und Besuchern durch eine möglichst plastische Schilderung des ursprünglichen Zustands anschaulich zu machen.
Das Europäische Kulturerbejahr 2018 (European Year of Cultural Heritage) mit seinem Motto „Sharing Heritage“ (Kulturerbe erlebbar machen) wurde von der SPSG gemeinsam mit der Association des Résidences Royales Europeennes (ARRE) und dem Verein Schlösser und Gärten in Deutschland e.V. zum Anlass genommen, unter dem Titel „Zu Tisch!“ oder „A Place at the Royal Table“ die Europäische Esskultur und die kulinarischen Traditionen an europäischen Höfen zu präsentieren. Diese Initiative bot auch für den Förderverein die einmalige Chance, sich an diesem Themenjahr mit der in Zusammenarbeit mit der SPSG und dem Requisitenfundus des Filmstudios Babelsberg realisierten Inszenierung einer königlichen Jagdtafel im Jagdschloss Stern zu beteiligen und dabei auch die übrigen Räume des Schlosses entsprechend zu „beleben“.
Am Hubertuswochenende 3./4. November 2018 konnten die Besucherinnen und Besucher des Jagdschlosses Stern dann erstmals eine rekonstruierte Tafel nach dem Vorbild des berühmten Tabakskollegiums ansehen, wie sie um 1735 im Saal des Schlosses zur Bewirtung des Königs und seiner Gäste nach der Jagd gedeckt worden sein könnte. Auch die Küche und das Schlafzimmer des Königs waren entsprechend ausgestattet und entführten die Betrachter in die Zeit des „Soldatenkönigs“. Mit diesem Ausstellungsprojekt wollte der Förderverein Jagdschloss Stern-Parforceheide e.V. einen lebendigen Eindruck der ursprünglichen Nutzung des Schlosses vermitteln..
Die schlichte Jagdtafel im Saal mit den langen Sitzbänken wird seither auch bei den regulären Öffnungen des Schlosses präsentiert, um den ursprünglichen Raumeindruck für die Besucherinnen und Besucher erlebbar zu machen. Wenn der Saal für Konzerte, Lesungen oder Vorträge geräumt werden muss, lässt sich der Tisch leicht zerlegen und später wieder aufbauen.
Die Dekoration des Tisches wird dabei bewusst variiert, um den Eindruck zu vermeiden, dass dies die einzig mögliche und historisch getreue Gestaltung sei. Während bei der Ausstellung im Jahr 2018 der Fokus auf einer reich gedeckten königlichen Speisetafel lag, die mit einer entsprechend üppigen Ausstattung der Schlossküche korrespondierte, wird bei anderen Gelegenheiten eine möglichst getreue Nachbildung der Situation auf dem Gemälde des Tabakskollegiums angestrebt. Dafür wird die Tafel u.a. mit drei ebenfalls eigens für das Jagdschloss Stern nachgefertigten holländischen Fayenceleuchtern bestückt und an jedem Sitzplatz eine Bier- oder Weinflasche mit einem entsprechenden Becherglas aufgestellt. Ein Tabaksfässchen, kleine Schalen und die im Tabakskollegium des Königs auch für Nichtraucher obligaten langen holländischen Tonpfeifen komplettieren das Setting.
Für den heutigen Betrachter eher dem Charakter einer zünftigen Jagdgesellschaft entsprechend ist dagegen die andere Variante mit rustikalen Kerzenleuchtern aus Messing und Repliken von sog. Walzenkrügen aus Fayence mit jagdlichen Motiven bzw. Chinoiserien und Zinnmontierung, wie sie in der Zeit Friedrich Wilhelms I. gebräuchlich waren und auch im neuen Tabakskollegium in Schloss Königs Wusterhausen des 19. Jahrhunderts Verwendung fanden (siehe hierzu den Beitrag „Neue Fundstücke vom Jagdschloss Stern„).
Im Sammlungsbestand des Fördervereins befindet sich als private Leihgabe sogar ein originaler Fayence-Walzenkrug mit den Initialen Friedrich Wilhelms I., der jedoch noch einer fachgerechten Restaurierung bedarf und daher nur zu besonderen Gelegenheiten gezeigt werden kann.
Ebenfalls ein besonderes Objekt ist der zu speziellen Anlässen präsentierte historische Drehstuhl am Kopfende des Tisches. Dieser Stuhl ist eine Leihgabe des Heimatmuseums Zehlendorf und stammt nach der Überlieferung ursprünglich aus dem Jagdschloss Stern. Er könnte wie auf dem Gemälde des Tabakskollegiums tatsächlich der Stuhl des Königs gewesen sein (siehe hierzu den Beitrag „Ein besonderer Stuhl„).
Ein Tipp: Wenn Sie die Bilder anklicken, erscheinen sie in großer Auflösung.











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