Dez 012014
 

Bestand: Zool. Mus., Signatur: B III/1503Dass man öfter auf Spuren trifft, die Friedrich Wilhelm I als Gestalter Preußens oder auch als passionierter Jäger hinterlassen hat, ist nicht ungewöhnlich. Dass aber im Museum für Naturkunde ausgerechnet eines der etwa 30 Millionen Objekte eine sehr enge Beziehung zu dem König aufweist, ist doch etwas überraschend.

Beim Blättern in dem Jubiläumsband „Klasse, Ordnung, Art – 200 Jahre Museum für Naturkunde“ findet man auf den Seiten 76 und 77 einen interessanten Beitrag mit demTitel „Das Wildschweinpräparat aus der Königlichen Kunstkammer – Über das Schicksal der ältesten Dermoplastik Preußens“, Autor Detlev Matzke. Gegenstand ist der Rest eines präparierten kapitalen Ebers, den der König im Jahre 1721 bei Colbatz in Pommern mit einer Saufeder erlegt hat.

Da wird das Mitglied des Fördervereins natürlich sofort hellhörig.

Wildschweinpraeparat ©HGoetz-MfN

Foto: Hwa Goetz, Museum für Naturkunde Berlin (Sigel: MfN, HBSB) Bestand: Zool. Mus. Signatur: BIII/1503

Der traurige Zustand des Präparates erklärt sich daraus, dass es in den 90’er Jahren wegen seiner geringen wissenschaftlichen Bedeutung und des chronischen Platzmangels im Museum ausgemustert und als Sperrmüll entsorgt worden war. Dort entfernten interessierte Studenten das Fell und brachen die Keilerwaffen heraus. Zufällig entdeckte ein Präparator den Restrumpf und erkannte, dass es sich präparationstechnisch um ein ungewöhnliches und besonders altes Präparat handelte. So kam das Exponat wieder ins Museum und dient dort zur Untersuchung historischer Präparationsmethoden.

Für uns ist besonders das historische Foto (mit Fell) interessant. Der Eber hatte eine Körperlänge von 190 cm und stellt damit eine besonders kapitale Jagdtrophäe dar. Das weit geöffnete Maul sollte vermutlich die Gefährlichkeit der Jagdbeute demonstrieren. Man kann sich gut vorstellen, dass das Abfangen des Keilers mittels Saufeder eines kräftigen und vor allem unerschrockenen Jägers bedurfte.

Der Eber war sicher nicht davon beeindruckt, dass eine Majestät vor ihm stand!

 

 

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