Feb 012017
 
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Das gemeinsam mit der Revierförsterei Dreilinden veranstaltete Weihnachtsbaumschlagen am 17. Dezember 2016 ist erneut ein voller Erfolg gewesen.

Schauen Sie selbst, wie vergnügt der Wald bearbeitet wurde (klicken Sie auf die Bilder).

Viele wollten mehr über das Jagdschloss Stern, die Wanderwege in der Parforceheide und unsere Aktivitäten erfahren, und so freuen wir uns,

Ihr

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Förderverein Jagdschloss Stern

 

 

Merke: Man ist nie zu alt zum Laternelaufen!

Bleiben Sie gesund und munter bis dahin!

 

Sep 292016
 
Sammeln der Jäger

Sammeln der Jäger

Ein sehr schön gestalteter Youtube-Beitrag von Uwe Granzow mit Impressionen der XI. Potsdamer Parforce Jagd des Brandenburger Huntingclubs mit der Böhmer Meute und den Brandenburgischen Parforcehornbläsern am Jagdschloss Stern. Der Förderverein sagt herzlichen Dank hierfür.

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Sep 192016
 
Trio Scho
Trio Scho

Das russisch-ukrainische Trio Scho aus Berlin

Wenn es ein gemeinsames Element gab, dann war es das schon fast sprichwörtliche Glück mit dem Wetter. Bei allen Veranstaltungen des Fördervereins war trotz manchmal schlechter Vorhersage am Ende doch alles gut. Sogar das Pfingstkonzert mit dem russisch-ukrainischen Trio Scho aus Berlin bot einen nicht nur meteorologischen Überraschungserfolg. Wegen des anfänglichen Dauerregens kurzerhand hinter das Kastellanhaus verlegt, brach die Sonne durch und ließ den Fliedergarten in schönstem Licht erstrahlen. Der Kaffee- und Kuchenstand im Schuppen und die unter tatkräftiger Hilfe der immer zahlreicher werdenden Besucher improvisierten Sitzgelegenheiten schufen einen ganz besonderen Rahmen für die Musiker, die unter einem nur kurzzeitig auch vor einem Schauer schützenden Sonnenschirm mit ihrer Musik begeisterten und sogar zum Tanzen animierten. Ein für alle Mitglieder und Gäste unvergessliches Erlebnis.

Pfingstkonzert 2016

Pfingstkonzert 2016

Tanz im Fliedergarten

Tanz im Fliedergarten

Doch der Reihe nach:

Nach der traditionellen Neujahrswanderung mit Peter Ernst durch die Parforceheide zum Stahnsdorfer Friedhof folgte im April der Führungssaisonauftakt mit frischem Holzofenbrot aus dem wieder aufgebauten historischen Backofen. Diese Veranstaltung wurde auch in diesem Jahr wieder gekonnt musikalisch umrahmt vom Hornbläserquartett der städtischen Musikschule „Johann Sebastian Bach“.

Schlossöffnung

Öffnen der Läden zum Saisonstart

Saisoneröffnung 2016

Saisoneröffnung 2016

Hornbläserquartett der Stadt. Musikschule Potsdam

Hornbläserquartett der Stadt. Musikschule Potsdam

Zur Saisoneröffnung am Backofen

Saisoneröffnung am Backofen

Auch die weiteren Führungssonntage im Mai und Juni boten ein abwechslungsreiches Programm mit einer spannenden Vorführung der „Langen Kerls“ Friedrich Wilhelms I. und musikalischen Jagdszenen mit Vivaldis „La caccia“, gespielt von jungen Musikern der Voltaireschule Potsdam unter Leitung von und mit kundiger Erläuterung durch Dr. Michael Harald Krebs. Auch die anschaulichen Kinderführungen von Marlies Jachalke erfreuen sich immer wieder großer Beliebtheit bei unseren jüngsten Besuchern und ihren Eltern.

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Der Kuchenstand

Der Kuchenstand

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Lange Kerls am Schloss

Lange Kerls am Schloss

Langer Kerl

Sehr langer Kerl

Kinderführung

Vivaldis La Caccia Musiker der Voltaireschule Potsdam

Vivaldis La Caccia
Junge Musiker der Voltaireschule Potsdam

Erstmals wurde in diesem Jahr auch Theater im und am Schloss geboten. Ernstes Theater mit einem beeindruckenden Kammerspiel im Saal des Schlosses aus Anlass des 285. Todestags von Jacob Paul von Gundling, genial verkörpert durch den Schauspieler und Autor Christian Schramm (siehe auch den gesonderten Beitrag Hohe Schauspielkunst im Jagdschloss Stern). Heiter dann mit einem spätsommerlichen Freiluft-Theaterabend im August mit Commedia dell‘ Arte und Molieres „Die erzwungene Hochzeit“ dargebracht vom Berliner Bedlam Theater, das Potsdamer Schlössernacht-Atmosphäre vor der Kulisse des Kastellanhauses und dem illuminierten Jagdschloss zauberte.

Christian Schramm als Jacob Paul von Gundling

Christian Schramm als Jacob Paul von Gundling

 

 

Christian Schramm als Jacob Paul von Gundling

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Bedlam Theater

Theaterabend vor dem Kastellanhaus

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Commedia dell‘ Arte mit dem Bedlam Theater

 

Das illuminierte Jagdschloss

Einen musikalisch-intellektuellen Genuss der besonderen Art boten die beiden Konzerte von Martin Betz zum Frühling und Herbst mit virtuosem Cembalospiel und hintersinnigen eigenen Gedichten, die sich schon zu einem Klassiker im kulturellen Programm im Jagdschloss entwickelt haben (siehe hierzu auch den Beitrag Martin Betz im Schloss).

Martin Betz

Martin Betz „Im Mailand“

Martin Betz

Martin Betz spielt Cembalo

Martin Betz

und Schreibmaschine (aus: „Nun hebt sich auch das Herbsten an“)

Die Herbstsaison eröffnete der ebenfalls schon traditionelle Gottesdienst der Evangelischen Sternkirchengemeinde im Kastellanhausgarten, in diesem Jahr wieder als ökumenischer Gottesdienst zusammen gefeiert mit der katholischen Propsteigemeinde St. Peter und Paul und eindrucksvoll musikalisch gestaltet vom Posaunenchor der Sternkirchengemeinde und dem Gospelchor „Stimmt so!“ der Gethsemanekirche aus Berlin.

Gottesdienst

Gottesdienst im Kastellanhausgarten

Gospel Chor

Gospel Chor „Stimmt so!“ der Gethesemanekirche Berlin

Eine besondere Attraktion zum internationalen Denkmaltag mit dem diesjährigen Motto „Gemeinsam Denkmale erhalten“ bot eine anschauliche Präsentation von Mitarbeitern des Schirrhofs der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten vor dem Kastellanhaus zu traditionellen Handwerks- und Restaurierungstechniken. Einen ganz herzlichen Dank an dieser Stelle an die Stiftung für diese freundliche Unterstützung.

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Tag des offenen Denkmals 2016

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Den Höhepunkt und zugleich Abschluss der Führungssaison bildete dann auch in diesem Jahr das Herbstfest mit der nun bereits zum elften Mal in Folge veranstalteten Parforce Jagd des Brandenburger Hunting Clubs mit musikalischer Begleitung durch die Brandenburgischen Parforcehornbläser. Anders als zu Friedrich Wilhelms Zeiten werden heute aber keine Tiere mehr gejagt, sondern es handelt sich um eine Schleppjagd zu Pferde mit einer Hundemeute (in diesem Jahr der Böhmer Harrier Meute) hinter einer Duftfährte. Der Aufbruch zur Jagd und das abschließende Curee mit rohem Pansen für die Hunde und traditionellem Portweintrunk und Überreichung eines Bruchs aus Eichenlaub für die Jagdreiter, Hundeführer und Parforcehornbläser bieten aber einen Eindruck, wie solche Hirsch- oder Fuchsjagden früher abliefen. Die Jagdreiter genossen ebenso wie die zahlreichen Besucherinnen und Besucher bei schönstem Herbstwetter dieses beeindruckende Erlebnis. Und selbstverständlich gab es auch zum Abschluss der Saison wie an jedem Führungssonntag Kaffee und selbstgebackenen Kuchen der Mitglieder des Fördervereins und als Besonderheit wieder frisches Holzofenbrot aus dem Backofen und herzhafte Speisen und Getränke am Stand des Bürgervereins Steinstücken, dem an dieser Stelle nochmals ganz herzlich für seine großzügige Unterstützung gedankt sei.

 

Herbstfest 2016

Herbstfest mit Parforce Jagd des Brandenburger Huntingclub

Aufbruch zur Jagd

Ankunft der Meute

Sammeln der Jäger

Sammeln der Jäger und Hunde

Begrüßungstrunk

Begrüßungstrunk

Kastellanhausgarten

Im Kastellanhausgarten

Am Backofen

Großer Andrang am Backofen

Holzofenbrot

Frisches Holzofenbrot

 

Böhmer Harrier Meute

Nach der Jagd das Curée für die Hunde

Curée mit der Böhmer Harrier Meute

Böhmer Harrier Meute

Brandenburgische Parforcefornbläser

Die Brandenburgischen Parforcefornbläser

 

Schließen der Läden

Schließen der Läden zum Saisonende

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Der Förderverein Jagdschloss Stern-Parforceheide e.V. dankt auch den zahlreichen Gästen der Führungen und Veranstaltungen am Jagdschloss Stern, die das große öffentliche Interesse an diesem einzigartigen Gebäudeensemble und dem zwischenzeitlich hier etablierten Kulturprogramm belegen und  dem ehrenamtlichen Engagement Rückhalt und Ansporn geben. Zu Beginn des kommenden Jahres erwarten wir übrigens den oder oder die 10.000. Besucher/in der Führungen durch das Jagdschloss Stern seit der Gründung des Fördervereins im Oktober 2003. Die Anzahl der Besucherinnen und Besucher bei den Veranstaltungen des Fördervereins ist statistisch nicht erfassbar, liegt aber noch um einiges höher. So haben viele Menschen das Jagdschloss Stern und seine Umgebung kennen und lieben gelernt und werden gewiss auch künftig zahlreich hierher finden. Der Förderverein bietet vielfältige Möglichkeiten zu Freude machendem und Freunde schaffendem ehrenamtlichem Engagement und sucht weitere Mitwirkende und Unterstützer. Bei Interesse sprechen Sie uns gerne an.

 

Sep 082016
 
Das Kastellanhaus

 

Konzept für den Erhalt und die schrittweise Wiederbelebung des kulturhistorischen Denkmals „Kastellanhaus am Jagdschloss Stern“

August 2016

 

1. Kulturhistorische Bedeutung des Kastellanhauses

Die Parforceheide mit der noch teilweise erhaltenen Jagdanlage aus dem frühen 18. Jahrhundert, dem Jagdschloss Stern und dem ebenfalls aus dieser Zeit stammenden Kastellanhaus ist ein historisch wertvolles Ensemble.

Der im Oktober 2003 gegründete Förderverein Jagdschloss Stern-Parforceheide e.V. (Förderverein) unterstützt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), um den Einwohnern der Landeshauptstadt Potsdam und auswärtigen Besuchern diesen besonderen Ort durch Führungen, kulturelle Veranstaltungen im Jagdschloss und auf dem angrenzenden Kastellanhausgrundstück sowie Wanderungen durch die Parforceheide nahezubringen. Der Förderverein beteiligt sich darüber hinaus an der Erhaltung bzw. dem Wiederaufbau historischer Objekte (Backofen, Schuppen, Schafstall, Pavillon, Heckenpflanzungen) und unterstützt die weitere Erschließung der Parforceheide als Wander- und Erholungsgebiet.

Das Kastellanhaus ist fester unverzichtbarer Bestandteil des Ensembles Jagdschloss Stern. Das wohl um 1730 errichtete denkmalgeschützte Gebäude ist das einzige in dieser Art noch erhaltene Bauwerk aus der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. und mit der 1732 für den ersten Kastellan erteilten Schankgenehmigung die nachweislich älteste Gaststätte Potsdams. Diese beiden Alleinstellungsmerkmale belegen die besondere kulturhistorische Bedeutung dieses Denkmals, dessen Erhaltung und Wiederbelebung im gemeinsamen Interesse von SPSG und Förderverein liegt. Dabei möchte der Förderverein die SPSG aktiv unterstützen.

Das unrestaurierte Gebäude steht seit 1992 leer, ist bautechnisch gesichert, aber sichtbar dem schleichenden Verfall preisgegeben (Dach, Schornsteinköpfe, Außenputz, Holzteile usw.). Ein externer Investor konnte bislang nicht gefunden werden.

Besucher und Anwohner, deren Zahl durch Wohnungsneubau erheblich gewachsen ist, wünschen eindringlich ein wiedereröffnetes Kastellanhaus als traditionelle Gast- und Begegnungsstätte. Der Förderverein benötigt einen festen Ort für seine Zusammenkünfte und vor allem für kleine Veranstaltungen und Ausstellungen, um seine Möglichkeiten zur Wahrnehmung seiner Aufgaben und das kulturelle Angebot erweitern zu können. Die Errichtung der für die Besucher des Jagdschlosses und Veranstaltungen des Fördervereins dringend benötigten Toiletten ist nach Aussage der SPSG nur im Zusammenhang mit einem wieder bewohnten und genutzten Kastellanhaus möglich.

2. Konzept zur schrittweisen Instandsetzung des Gebäudes und Nutzung durch den Förderverein

Aus Sicht des Fördervereins bedarf es dringend einer grundlegenden baulichen Außen- und Innensanierung des Hauses, die von der SPSG als Eigentümerin und Verkehrssicherungsverpflichtete unabhängig von der späteren Nutzungsart durchzuführen ist, um weitere Schäden an der historischen Substanz abzuwenden. Ein weiteres Zuwarten auf einen potentiellen Investor, der zur Sanierung des Objekts bereit wäre, erscheint nicht mehr vertretbar. Insbesondere die Schäden am Dach, an der Holzkonstruktion des Eingangsbereichs sowie am Außenputz im Sockelbereich müssen dringend beseitigt werden, um ein (weiteres) Eindringen von Feuchtigkeit in das Gebäude zu verhindern.

Um einen weiteren Verfall des Kastellanhauses abzuwenden und möglichst bald das Gebäude wieder nutzbar zu machen, schlägt der Förderverein ein pragmatisches schrittweises Vorgehen vor.

Schritte zur Herrichtung des Gebäudes

Begutachtung des Gebäudes durch Baufachleute und Festlegung der notwendigen Instandsetzungsmaßnahmen,
Beseitigung der sichtbaren Schäden im Außenbereich (Dach, Putz, Holzkonstruktion),
Erneuerung der Elektroinstallationen, der Wasserinstallationen, der Abwasserentsorgung und der Toiletten im Gebäude; ggf. Schmutzwasserentsorgung über vorhandene abflusslose Sammelgrube (vgl. Bauvorbescheid vom 21. Januar 2002),
Einbau von Toiletten im restaurierten Stallgebäude.

b) Nutzung des Gebäudes durch den Förderverein

Mögliche Nutzung der Räume im Hauptgeschoss (frühere Gast-Stuben):

  1. zur Gestaltung von Ausstellungen zur Geschichte des Ensembles am Jagdschloss Stern, des Kastellanhauses und zur Parforceheide und hierauf bezogene Veranstaltungen, auch mit Unterstützung von Dritten. Aus langjähriger Erfahrung bei den vom Förderverein durchgeführten Führungen und Veranstaltungen lässt sich ein großes Interesse der Besucherinnen und Besucher an der nicht nur auf das Jagdschloss als solches bezogenen Geschichte des Ortes belegen. Zudem besteht ein besonderes Bedürfnis nach anschaulichen Darstellungen und Objekten, die nicht im Jagdschloss selbst ausgestellt oder präsentiert werden können (z.B. historische Jagdutensilien und -trophäen, alte Ansichten des Kastellanhauses und der Umgebung, bei der Ausgrabung des Backofens gefundene Gegenstände usw.). Neben einer ggf. in Kooperation mit der SPSG oder dem Potsdam-Museum zu errichteten Dauerausstellung sind auch temporäre Ausstellungen zu naturkundlichen Themen oder zur Landschaftsgestaltung denkbar, die ebenso auf großes Interesse stoßen werden. Auch für die Betreuung von Kindergarten- und Schülergruppen im Rahmen von Sonderführungen bietet sich ein Raum mit „Objekten zum Anfassen“ besonders an. Die Ausstellung wäre zunächst an den Veranstaltungstagen des Fördervereins bzw. zu den Sonderführungen zugänglich. Ggf. läßt sich mittel- bis langfristig auch eine erweiterte Öffnung bzw. Integration in ein späteres Gaststättenkonzept realisieren.
  2. für die Kaffee- und Kuchenausgabe bei den öffentlichen Veranstaltungen des Fördervereins bei schlechtem Wetter und dann ggf. auch als Sitzgelegenheit oder Unterstand für die Gäste.
  3. als Pausenraum für die Vereinsmitglieder und insbesondere als Garderobe für die auftretenden Künstler. Das Fehlen einer entsprechenden Räumlichkeit am Jagdschloss als Garderobe wird bei nahezu allen Veranstaltungen mit Musik oder anderen Darbietungen als sehr störend empfunden und die Nutzung des Lagerschuppens im Hofbereich – ebenso wie auch die fehlende Sanitäreinrichtung – als unzumutbar bezeichnet.
  4. für Mitgliederversammlungen des Fördervereins und als Seminarräume zur Nutzung durch andere Vereine oder Initiativen in Absprache mit der SPSG bzw. durch die SPSG selbst. Damit könnte das Kastellanhaus wieder als Ort der Begegnung im Stadtviertel etabliert werden.
  5. ggf. im Obergeschoss ein Büro und Besprechungszimmer für Vereinszwecke und Unterbringungsmöglichkeit für das Vereinsarchiv, die Vereinsakten oder die Broschüren zum Jagdschloss, die schon wegen des schwankenden Raumklimas im Lagerschuppen nicht dort gelagert werden können.

c) weitere Sanierung und künftige Nutzung

Die Sanierung des Obergeschosses und des Kellergeschosses kann dann in weiteren Schritten vorgenommen werden. Als Übergangslösung bis zur Wiederaufnahme eines Gaststättenbetriebs könnte der ehemalige Küchenbereich im Kellergeschoss für die Lagerung und Zubereitung von Speisen und Getränken für die Einrichtung eines Sommergartens/Biergartens in den Sommermonaten durch einen externen Betreiber genutzt werden. Da die historische Gaststätte nicht nur den Innenbereich, sondern auch den Außenbereich umfasste, wäre dies ein Schritt zur Wiederherstellung der ursprünglichen Nutzung. Ggf. findet sich als Betreiber eines Sommergartens/Biergartens ein geeigneter Gastwirt, der später einen Gaststättenbetrieb z.B. nach dem Muster des Brauereiausschanks im Forsthaus Templin einrichten kann.

3. Vorschlag zum weiteren Verfahren

Bildung einer ständigen Arbeitsgruppe aus Vertretern der SPSG und des Fördervereins, in der beginnend mit einer Begutachtung des baulichen Zustands die notwendigen Instandsetzungsmaßnahmen und Möglichkeiten zur Nutzung des Gebäudes besprochen und abgestimmt werden.

Der Förderverein würde es sehr begrüßen, wenn schon bis zum Tag des offenen Denkmals am 11. September 2016 mit seinem schönen Motto „Gemeinsam Denkmale erhalten“ eine grundsätzliche Verständigung über ein gemeinsames Vorgehen erzielt werden könnte.

Aug 162016
 

Man kann es nicht allen recht machen, am wenigsten dem eigenen Sohn:

Er baute in seiner Residenz die ganze Friedrichstadt und besetzte die alten Festungswälle mit Häusern. Er gründete und bevölkerte die Stadt Potsdam. Nicht das kleinste Bauwerk errichtete er für sich, sondern alle für seine Untertanen. Kurfürstenstraße_4_05-2015-1Die Architektur unter seiner Regierung ist durchweg vom holländischen Geschmack verdorben. Es wäre zu wünschen gewesen, daß die großen Summen, die der König auf Bauten verwandt hat, in die Hände von geschickteren Architekten gelangt wären. Er teilte das Schicksal aller Städtegründer, die nur auf die Solidität ihrer Schöpfungen bedacht waren und darüber meist die Schönheit, die mit denselben Mitteln erzielt werden könnte, außer acht ließen.

Friedrich II., Denkwürdigkiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg, Sitten und Gebräuche unter dem Hause Hohenzollern

Jul 032016
 
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Was als Leseabend zu Jakob Paul von Gundling angekündigt war, entpuppte sich als Zeitreise an den Hof Friedrich Wilhelms I. In einer beeindruckend intensiven Darstellung verkörperte der Schauspieler und Autor Christian Schramm jenen Jakob Paul von Gundling, hochgelehrter und von König hochgeehrter Professor und Präsident der Preußischen Akademie der Wissenschaften und doch ein gebrochener Mann und Spielball der Mächtigen am Hofe.

Der mit 45 Besuchern ausverkaufte Saal wurde Zeuge eines intimen Kammerspiels um die Auseinandersetzung Gundlings mit seinem Herrn und König, einer Hassliebe, die Christian Schramm weit über das Vordergründige des immer wieder brutal gemobbten Hofnarren hinaus als Konflikt zwischen Absolutismus und Aufklärung interpretierte. Geradezu körperlich erlebbar wurden das Seelenleben Gundlings im Wechselbad der Gefühle und seine Qualen, die er im Tabakskollegium und bei der Jagd zu erleiden hatte, bis zu seinem Tod mit dem makabren Schauspiel der Beisetzung in einem Weinfass als letzter, endgültiger Demütigung.

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„So schafft man Ruhe im Land“, war das bittere Motto des Abends. Und doch gelang es Christian Schramm, diese beklemmenden und historisch verbürgten Episoden aus dem Leben Gundlings künstlerisch so zu brechen, dass es als Schau-Spiel für die Zuschauer am Ende noch ertragbar blieb. Minutenlanger Beifall krönte diese herausragende schauspielerische Leistung.

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Jun 272016
 

فـريـدريــــــــــــــــــــش فيـــل ِهـــــــلم ول

كان فريدريش فيلهيلم ولي العهد. هذا يعني أنه كان سيصبح الملك فريدريش فيلهـلم ا ول بعد وفاة والده. وسيستحوذ على سلطة مطلقة.

عندما كان يافعاً رأى كيف كان والده يحكم الب د بطريقة سيئة. كانت الب د فقيرة. رمل شيئ ينمو به تقريباً. ذهب في ا رض و فضة أو أحجار كريمة. و شوارع أو قنوات جيدة. كان يوجد فقط القليل من الناس الذين يستطيعون أن يفعلوا شيئاً. كان ا ب فريدريش ا ول دائماً يحضر رساماً ليرسمه بالتاج والمعطف الملكي. لقد قام ببناء العديد من القصور الفخمة التي لم تكن ضرورية. كان ينظم احتفا ت مع ألعاب نارية باهظة التكاليف. وكان وزراؤه ومستشاريه يتملقونه دائماً قائلين له كم هو جيد، ولكنهم لم يفعلوا شيئاً لنصحه ومساعدته. ازداد فقر الناس في الب د وتفاقم الفساد بين الوزراء، كما ازدادت ديون الملك. أراد ا بن ولي العهد أن يساعد أباه لكي يصبح ملكاً أفضل. أراد أن يشاركه الحكم لكنه لم يسمح له بذلك، مما جعله يحزن كثيراً على أبيه.

بعد وفاة الملك فريدريش ا ول واست م فريدريش فيلهـلم ا ول الحكم سلك سلوكاً مختلفاً تماماً.

هو بالذات عاش متواضعاً جداً. لم يعد يوجد في زمنه احتفا ت أوألعاب نارية، ولم يقم ببناء أية قصور، بل قام ببيع أو تأجير القصور التي ورثها عن أبيه. كان يلبس دائماً لباس الجندي الرسمي البسيط. قام بإنشاء أبنية ذات فائدة للدولة وللشعب كالبيوت السكنية والمؤسسات والمعامل والثكنات العسكرية والكنائس. لقد استثمر كل المال الذي حصل عليه من أجل تطوير ب ده. واحتاج بذلك إلى أناس للمساعدة، كالف حين والحرفيين والمهندسين. وقد تم استدعاء ا جانب المؤهلين إلى الب د. كان عليهم أن يشيدوا الطرقات والقنوات وأن يجففوا المستنقعات وأن يصبح الرمل خصباً. وكل ما احتاجه الناس كان يجب أن يصنع في الب د، أن يستورد من الخارج. قام بتشكيل إدارة الدولة من موظفين حكوميين مخلصين ومجدين وا هم من ذلك يمكن رشوتهم ويقومون بواجباتهم بكل عناية. وشكل جيشاً، ليغزو بلداناً أخرى وإنما للدفاع عن بلده. و ن جيشه كان قوياً جداً لم يكن مضطراً لخوض أي حرب. كان همه فقط أن يؤمن عم ً للناس ليعيشوا حيا ًة أفضل. فقام بسن قوانين جديدة. كما عين قضاة يمكن رشوتهم. بعد زمن قصير تحرر من كامل ديونه. وفي غضون جيل واحد حول الب د من دولة فقيرة ومتخلفة إلى أخرى حديثة من أقوى بلدان أوروبا.

لقد أراد أن يكون كل مواطن صادقاً ومجتهداً وجيداً. فعمل من نفسه قدو ًة ومث ً أعلى للجميع. لم تكن ا عتقادات الدينية للناس ذو أهمية بالنسبة له طالما أنهم مواطنون صالحون ومتعاونون لتحسين حالة المجتمع.

لقد أثرهو، أي الملك فريدريش فيلهـلم ا ول، بمستقبل ب ده ربما لمائة سنة بثورته التي قام بها من موقعه في ا على. إن ألمانيا ا تحادية اليوم ماتزال تحتفظ بالكثير مما فكر به في ذلك الوقت وقام بتنفيذه.IMG_3117

لقد قام بعد ذلك فع ً ببناء قصر. على الرغم من انه كان لمنفعته هو فقط وليس لمنفعة الدولة والشعب. إنه „نجمة قصر الصيد“. وهو صغير ومتواضع جداً لدرجة أن الناس اعتقدوا بأنه غرفة العمال الذين سيبنون القصر.

„نجمة قصر الصيد“ تذكرنا: كيف عاش هذا ا نسان الملك صاحب الفضل الكبير على ألمانيا.

→PDF

übersetzt von Abir Jourieh

Friedrich Wilhelm war Kronprinz. Das heißt, er würde nach dem Tod seines Vaters König Friedrich Wilhelm der Erste werden. Mit absoluter Macht. Schon als Junge sah er, wie schlecht sein Vater das Land regierte. Das Land war arm. Nur Sand, in dem fast nichts wuchs. Kein Gold im Boden, kein Silber, keine Edelsteine. Keine guten Straßen und Kanäle. Nur ganz wenig Menschen, die etwas konnten.Der Vater, König Friedrich der Erste, ließ sich immer wieder malen mit Krone und Königsmantel. Er baute viele teure Paläste, die zu nichts nötig waren. Er veranstaltete Feste mit teuren Feuerwerken. Seine Minister und Berater erzählten dem König immer wieder, wie gut er war, aber sie taten wenig, um ihm zu helfen. Die Menschen im Land wurden immer ärmer, die Minister immer korrupter. Und der König hatte immer mehr Schulden.

Der Sohn und Kronprinz Friedrich Wilhelm wollte seinem Vater helfen, ein besserer König zu werden. Er wollte mitregieren. Aber man ließ ihn nicht. Friedrich Wilhelm war sehr unglücklich über seinen Vater.

Als König Friedrich der Erste starb und Friedrich Wilhelm der Erste König wurde, machte er alles anders. Er selbst lebte sehr bescheiden. Es gab keine Feste und Feuerwerke mehr. Er baute keine Paläste. Er verkaufte oder vermietete die meisten Paläste, die er von seinem Vater geerbt hatte. Er trug immer nur eine einfache Soldatenuniform. Er baute nur Gebäude, die für den Staat oder die Menschen nützlich waren: Wohnhäuser, Fabriken, Verwaltungsgebäude, Kasernen, Kirchen. Er steckte alles Geld, was er einnahm, in die Modernisierung seines Landes. Und er brauchte Menschen, die mithelfen konnten: Bauern, Handwerker und Ingenieure.

Ausländer, die etwas konnten, wurden eingeladen, ins Land zu kommen. Es mussten Wege und Kanäle gebaut werden. Sümpfe mussten trocken werden, der Sand musste fruchtbar werden. Was man brauchte, sollte im Land hergestellt werden, nicht aus dem Ausland importiert.

Er baute eine Verwaltung des Staates auf mit Beamten, die treu und fleißig und vor allem unbestechlich waren und ihre Aufgabe sorgfältig erfüllten. Er baute eine Armee auf. Nicht, um andere Länder anzugreifen, sondern um sein Land zu verteidigen. Weil seine Armee besonders stark war, brauchte er keine Kriege zu führen. Er war nur damit beschäftigt, den Menschen Arbeit zu geben und sie besser leben zu lassen. Er gab ihnen moderne Gesetze. Er sorgte für unbestechliche Richter. Bald hatte er keine Schulden mehr. Aus einem armen, rückständigen Land machte er in einer Generation ein modernes Land, eines der mächtigsten in Europa.

Er wollte, dass jeder ehrlich, fleißig und gut sei. Er selbst wollte allen ein Vorbild sein, aber dabei war er ungeduldig und seinem Sohn gegenüber ungerecht.

Welchen Glauben die Menschen im Lande hatten, fand er nicht wichtig, wenn sie nur gute Staatsbürger waren und mithalfen, dass es allen besser ging.

Er, König Friedrich Wilhelm der Erste, hat in einer Revolution von oben sein Land vielleicht hundert Jahre in die Zukunft bewegt. Die heutige Bundesrepublik Deutschland hat noch Vieles, das er sich damals ausgedacht und durchgesetzt hatte.

Aber dann hat er sich doch noch ein Schloss gebaut, obwohl das nur ihm selbst nützte, nicht dem Staat und den Menschen. Das Jagdschloss Stern. Es ist so klein und bescheiden, dass die Menschen glaubten, es wäre nur die Bauhütte.

Das Jagdschloss Stern erinnert uns daran, was für ein Mensch dieser König war, dem Deutschland so viel verdankt.

Mai 052016
 
Hanno Wupper

Auf der Suche nach der Mitte von Berlin*, die ja möglicherweise gar nicht in Berlin Mitte liegt, und die man darum vorsichtig einkreisen muss, fuhr ich jahrelang mit dem Rad in der Brandenburger Umgebung von Berlin herum, wo ich viele schöne, aber auch viele seltsame Orte entdeckte. Besonders beeindruckten mich absurde, nicht sehr menschenfreundliche Verkehrsbauwerke in der Gegend um Güterfelde und Großbeeren.

Ein "Selbstversuch" auf der alten Landstraße 40: Peter Ernst beweist, dass die neue parallel geführte Landstraße 40 neu nach Autobahnstandard zur Entlastung des Ortskerns von Güterfelde unverzichtbar ist.

Ein „Selbstversuch“ auf der alten Landstraße 40: Peter Ernst beweist, dass die neue parallel geführte Landstraße 40 neu nach Autobahnstandard zur Entlastung des Ortskerns von Güterfelde unverzichtbar ist.

Dass ich mich dort mitten in der Parforceheide und ganz in der Nähe unseres Jagdschlosses befand,  war mir nie klar. Zu sehr war ich damit beschäftigt, lebend aus dem Geschlinge von Schnellstraßen herauszukommen.

Damals hatte Peter Ernst schon seinen Beitrag ‚Die Parforceheide – eine Landschaft im Wandel‘ veröffentlicht; aber den kannte ich noch nicht. Man kann ihn hier nachlesen. Dort findet man außer nebenstehendem Bild auch interessantes Kartenmaterial.

Peter Ernst und ich haben dieselbe Gegend aus verschiedenen Blickwinkeln erlebt, ohne voneinander zu wissen. Hier zum Vergleich die entsprechenden Stellen aus meinem Buch:

In und um Großbeeren dagegen sind allerlei ehrgeizige Bauprojekte fertig geworden. Der Ort ist nur klein, aber sein Bahnhof ist vom Zentrum durch ein riesiges Geschlinge autobahnähnlicher Bundesstraßen getrennt. Bevor Sie sich in den Kopf setzen, Großbeeren mit dem Zug zu besuchen, schauen Sie sich das Verkehrsbauwerk unbedingt auf einem Satellitenbild an und stellen Sie sich vor, wie Sie es überqueren müssten! Dann lassen Sie von diesem Wahnsinnsplan ab.

Von Potsdam aus führte seit preußischen Zeiten eine schnurgerade Großbeerenstraße durch Güterfelde nach Großbeeren. Dann kam die Wende, und als Zeichen der Befreiung wurde diese Straße wie viele andere im Osten gut ausgebaut und ordentlich asphaltiert. Sie erinnern sich: Solidaritätszuschlag, blühende Landschaften und so.

Dann aber zog Bonn nach Berlin um, und eine vom Eisernen Vorgang befreite Bundeshauptstadt braucht nicht nur einen visionär geplanten Großflughafen, sondern auch ein ebensolches Autobahnnetz. Nicht kleckern, sondern klotzen! So wurden auch Potsdam und Großbeeren durch eine Autobahn verbunden. Jedenfalls durch eine Landstraße, die aussieht wie eine Autobahn, Kreuzungsbauwerke und Ausfahrten hat hat wie eine Autobahn und benutzt wird wie eine Autobahn. Dass sie nicht so heißen darf, hat mit dem Umweltschutz zu tun. Die alte, runderneuerte Großbeerenstraße ist dadurch mehrfach unterbrochen, und man muss weitläufige, verwirrende Umwege in alle Himmelsrichtungen fahren, sowohl, wenn man mit dem Auto auf diese neue Schnellstraße gelangen will, als auch, wenn man sie mit dem Fahrrad meiden will.

Wenn man sich dann endlich Großbeeren nähert, führt die neu ausgebaute alte Straße kilometerweit ganz dicht neben der noch neuer ausgebauten neuen her: Straßenbau im fernen Osten und Straßenbau in Hauptstadtnähe zum direkten Vergleich unmittelbar nebeneinander.

In Berlin aber gibt es zwei Großbeerenstraßen. Die eine führt ordentlich Richtung Großbeeren, bis auch sie sich im dortigen Autobahngeschlinge verstrickt. Die andere führt zum Kreuzberg und erinnert an  eine Schlacht.

Und etliche Seiten später, auf dem Weg zum Stern:

Von Norden kommend, haben wir nach diesem filigranen Grenzgebiet bei Kohlhasenbrück unser Ziel schon fast erreicht. Wären wir von Westen gekommen, hätten wir von Großbeeren an all diese Verkehrsbauwerke aus den Zeiten Hitlers, der DDR mit ihren Transitstrecken, der neuen Bundesländer und der Hauptstadtnähe meistern müssen: ein grandioses Freilichtmuseum von Verkehrsplanungen, die sich gegenseitig den Weg versperren, gelegen im lieblichen, menschenleeren Brandenburg. Von Süden aus ist die Herausforderung noch größer: Da durchsetzen Kreuzungsbauwerke, Sackgassen, Kreisverkehre, Fußgängerstraßen und eine Straßenbahnlinie mit Wendeschleifen ein ehemals futuristisches Wohngebiet. Die schnurgerade Waldschneise von Kohlhasenbrück genau nach Süden bis zum Stern heißt Kohlhasenbrücker Gestell. Die ebenso schnurgerade ehemalige Schneise vom Stern nach Südwesten heißt Sternstraße und hat wegen solch moderner Verkehrsplanung sechs Enden.


*) Hanno Wupper: Suche nach der Mitte von Berlin – Eine Annäherung von j.w.d.
Nimwegen 2015, ISBN 978-3-7375-6119-8
, 216 Seiten, € 15,00.

Das Buch ist an Öffnungstagen an der Kasse des Jagdschlosses erhältlich, kann aber auch über den Buchhandel bestellt werden. Im ostpreußischen Restaurant Marjellchen liegt es auf Vorrat.

 

Mai 032016
 
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Rückblick eines 1933 geborenen Gütergotzers

Ursprünglich erschienen im Studienarchiv Umweltgeschichte 20 (2015).

Ein heutiger Betrachter wird sich beim bloßen Anblick oder Wandern in der Landschaft kaum vorstellen können, welch gravierende Veränderungen dieses Gebiet zwischen Bundeshauptstadt Berlin und Landeshauptstadt Potsdam allein in den vergangenen 82 Jahren erfahren hat.

Parforceheide17801729 Eingliederung der Gütergotzschen- und der Drewitzschen Heyde durch Friedrich Wilhelm I in ein großes eingezäuntes Jagdgebiet „Parforceheide“ von rund einhundert Quadratkilometern. Dieses wurde nördlich durch das Flüßchen Beke oder Bäke , den Dörfern Stansdorff, westlich durch Gütergotz, südlich Nudow, Philipsthal und östlich durch Drewitz, Nowaweß begrenzt. Das ausreichend ebene Waldgebiet hatte allerdings einen sehr hohen Wasserstand, der erst durch ein rastermäßiges Grabensystem abgesenkt werden musste, damit die Pferde nicht im Morast einsanken. Hetzjagd im Wald zu Pferde hinter einer das Wild hetzenden Hundemeute bedeutete für Mensch und Tier ohnehin eine große Unfallgefahr. Daher die Bezeichnung „Parforcejagd“ (französisch: mit Gewalt). Auf der ersten in Nord-Süd
Richtung angelegten Hauptschneise wurde der Ausgangspunkt aller weiteren Schneisen definiert. Im rechten Winkel entstand dort eine zweite Schneisenachse. In das entstandene Wege-Kreuz legte man ein Zweites und erhielt einen einfachen Jagdstern (“étoile“) mit 8 Strahlen. Eine nochmalige Verdoppelung ergab dann den königlichen Doppelstern („ètoile double“) mit 16 Schneisen. Zwei Schneisen begrenzten das jeweilige Jagdrevier. Dort wurden während der Jagd Holzgestelle aufgestellt, um das Jagdwild am Überqueren zu hindern. Deshalb hießen diese Waldschneisen „Gestelle“. Da ein Abschluß der Jagd unter freiem Himmel sehr witterungsabhängig war, entschloß sich der König ausnahmsweise zum Bau eines eigenen Gebäudes, dem „Jagdschloß Stern“.

1838 Der Bau der ersten Eisenbahnstrecke Berlin Potsdam durchschneidet das ehemalige Jagdgebiet im Norden.

1909 Einweihung des „Südwest-Kirchhofs der Stadt Berlin“. Wegen Platzmangels in der Stadt wurde von der evangelischen Stadtsynode im Stahnsdorfer Kiefernwald ein 150 Hektar großer Waldfriedhof geschaffen. Kurz darauf folgte angrenzend auf der anderen Seite der „Alten Potsdamer Landstraße“ die Anlage des „Wilmersdorfer Waldfriedhofes“, sowie angrenzend an der Potsdamer Chaussee der„Friedenauer Waldfriedhof“.

1913 In Betriebnahme des Bahnhofs Stahnsdorfs gegenüber dem Eingang des Südwest-Kirchhofs als Bahnverbindung über Dreilinden und Wannsee nach Berlin.

1915 Ein Dauerwaldkaufvertrag“ als “Erholungswald aus Gründen der öffentlichen Gesundheitspflege, um so der wachsenden Bevölkerung der Reichshauptstadt die Gelegenheit der Erholung und Erfrischung im freien und im Walde zu sichern“. Ursprünglich war der Preis für 11 200 Hektar 179 Millionen Goldmark. Nach Entscheidung Kaiser Wilhelm II wurden 10 000 Hektar Wald um Berlin, u.a. in der Parforceheide erworben und für 50Millionen Goldmark zum unantastbaren Dauerwald erklärt.

1933 Vereinnahmung von Schloß und Park Gütergotz durch die NSDAP und die SA-Standarte Feldherrnhalle.

1935 Errichtung des Trainingsschießplatzes für die Deutsche Mannschaft der Pistolenschützen für die Olympiade 1936 in Berlin.

1937 Umbenennung des Ortes Gütergotz in die Neuschöpfung „Güterfelde“(misslungene „Eindeutschung“).

1937 Das Gebiet um das Jagdschloß Stern sowie die „Große- und die Kleine Rohrlake“ wurden zu „Landschaftsschutzgebieten“ erklärt.

1938 Bau des „AVUS-Zubringers“ zwischen dem Autobahnring um Berlin und der AVUS unter Rücksichtnahme auf historisch und landschaftlich sensible Bereiche. Nutzung des Schießplatzes und von Teilen des Waldgebietes als Übungsgelände für das in den neuen Stahnsdorfer Kasernen stationierte Militär. (Erstaunlich: in Güterfelde wurde der Bau von Kasernen und Hangars nicht gestattet, weil es im „Grünen Ring um Berlin“ gelegen sei).

1940 Baubeginn für einen Ringschluß der S-Bahn zwischen Bahnhof Stahnsdorf und der Station Lichterfelde Süd. Dazu gehörte am Ort der heutigen Heinrich Zille Gesamtschule eine Abzweigung nach Rehbrücke mit einem Bahnhof in
Kienwerder. Es wurde abschnittweise ein Bahnschacht, für eine Überquerung der Großen Rohrlake eine Dammschüttung, sowie für eine Brücke über den AVUS-Zubringer die Fundamente fertig gestellt. Der Krieg verhinderte eine Fertigstellung und heute ist das Projekt aufgegeben.

1945 Schloß Güterfelde wurde vorübergehend Sitz einer Sowjetischen Kommandatur und danach zum Abriß freigegeben und völlig geplündert. Die einzigartigen Parkbäume des vom Schloßherrn Bleichröder angelegten Arboretums
wurden gefällt und verheizt. An der Autobahn nach Berlin wurden Ein- und Ausfahrtkontrollstellen gebaut. Alle Kasernen wurden wieder in militärische Nutzung genommen. Die gemäß Alliierten Beschluß begonnene Demontage und Zerstörung des Schießplatzes wurde gestoppt und dieser von der Besatzungsmacht ohne Schutzeinrichtungen wieder in Betrieb genommen. Später wurde der Wald abgesperrt, der Schießplatz erweitert und dort sämtliche Formen „Bewaffneter Organe“ der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR an Waffen und allen Arten Militärfahrzeugen ausgebildet. Dies Gelände kam nach dem Ende der DDR in die Hände der Bundeswehr, welche es gar nicht benötigte, jedoch nicht aufgeben wollte und deshalb jährlich eine kleine Übung mit „Feldjägern“ inszenierte. Der große ruinöse Schießplatz war ein gefährliches Schandmal in der dLandschaft. Es war eine anspruchsvolle diplomatische Aufgabe der charmanten Pfarrersfrau und eines engagierten Gütergotzers den zuständigen Oberbefehlshaber der Bundeswehr zu einer Aufgabe des Standortes und einem Rückbau der Anlagen zu überzeugen.

1961 Mit der Absperrung der innerdeutschen Gemarkungslinie und ihrem Ausbau zu einer Staatsgrenze gab es die größten Verluste an Wald und Natur. Ein breiter Streifen devastierter Natur wurde mit Sperranlagen überbaut. Für die personelle Betreuung entstanden vielerorts umfangreiche Kasernenkomplexe in abgesperrtem Waldgebiet, selbst das vorgelagerte Waldgebiet war für die Einwohner nicht mehr zugänglich. Der Umfang dieser Flächen wurde in seiner Dimension erst durch die Verfügbarkeit von Luftbildaufnahmen erkenntlich. Nach der Wiedervereinigung hat die Natur Flächen, die nicht zu Bauland geworden waren, zurückerobert.

1970 Das „VEG (Volkseigene Gut) Fleisch und Frischeierproduktion Falkensee – Außenstelle Güterfelde“ baute in der Parforceheide am Priesterweg eine zweigeteilte Barackenanlage zur Junghennenaufzucht. Es wurden angelieferte
Küken bis zur Legereife aufgezogen. Aus Seuchenschutzgründen wurde ein Standort außerhalb des Dorfes in der Parforceheide gewählt. Nach der Wiedervereinigung standen die 12 großen Hallen leer. Ein Bestandsschutz war damit nicht mehr gegeben. Obwohl bereits eine Veränderungssperre verhängt war, lockte eine geschäftstüchtige Gemeindevertretung ohne Genehmigung Firmen und Betriebe an. Als die Zustände mit Restaurant, Großverkauf und parkender Autos im Wald unhaltbar wurde, musste das Gesetz einschreiten und diese Nutzungen unterbinden. Ein Abriß der Wellblechhallen wurde jedoch durch den Bau von Solaranlagen auf den Dächern verhindert. So gibt es noch heute zwei Gewerbehöfe im Landschaftsschutzgebiet.

1970 entstand zur Entlastung der Großbeerenstraße eine neue Einfallstraße nach Potsdam entlang der Nuthe, die so genannte „Nuthestraße“- später „L 40“. War beim Bau des Avuszubringers noch auf sensible Bereiche Rücksicht genommen worden, und hatte man für durchschnittene Sternschneisen und historische Verbindungswege noch Brücken mit langen Abfahrten gebaut, so wurden erstere diesmal brachial zerschnitten. Der Geschädigte war die Bevölkerung, der man als Zugang vom Stern in die Parforceheide eine Fußgängerbrücke zwar versprach, doch diese nie baute.

1970 sollten in Potsdam neue Wohngebiete gebaut werden. Da geeignete Flächen im Norden (Bornstedter Feld u.a) durch Besatzungsmacht und „Bewaffnete Organe“ der DDR beansprucht waren, wurden die besten Ackerflächen bei Drewitz zu Bauland erklärt. Daß Teile davon im rechtsgültigen „Landschaftschutzgebiet um das Jagdschloß Stern“ lagen, wurde dabei nicht beachtet und kein Verfahren eingeleitet. Die Historischen „Sternschneisen“ wurden nicht respektiert, sondern sogar demonstrativ durch quer gestellte Wohnblöcke oder Straßenverlegungen blockiert. Alle alten Chausseen mit Sommerweg und ihren Alleen und Chausseegräben wurden erst in voller Breite asphaltiert, dann verschwanden zum 4-spurigen Ausbau oft auch die Alleen und Gräben. Neuanpflanzungen wurden nicht vorgenommen.

1974 Die zunehmende Inanspruchnahme von Wald für militärische Zwecke und die ausufernde Stadt Potsdam veranlassten mich zur Formulierung eines „Antrags auf Zusammenfassung der seit 1937 bestehenden drei rechtskräftigen Landschaftsschutzgebiete Jagdschloß Stern, Große Rohrlake und Kleine Rohrlake zu einem größeren LSG Parforceheide „für die Rekonstruktion der Arbeitskraft der Werktätigen aus den Industriegebieten“. Schließlich gab es nach jahrelangen Bemühungen zwar Zustimmungen der fachlich zuständigen Dienststellen doch es kam nichts in Gang. Erst nach Eingaben an den Rat des Bezirkes, Staatsrat, ZK der SED gab es eine Beschlußvorlage für den Kreistag Potsdam-Land. Im letzten Moment fiel jedoch jemandem auf, daß ein Zipfel (um das Jagdschloß Stern) zum Gebiet der Bezirkshauptstadt Potsdam gehörte. Dies erforderte einen gemeinsamen Beschluß des Kreistages und der Stadtverordneten Versammlung. Damit war der Beschluß erst einmal von der Tagesordnung abgesetzt. Ein Neuanlauf kam in der DDR nicht mehr zu Stande, weil durch ein LSG eine Behinderung einer möglichen Erweiterung der militärischen Flächen hätte entstehen können. Sofort nach dem Ende der DDR konnte der Antragsteller nach Überarbeitung der
Begründung für eine Unterschutzstellung seinen Antrag bei der zuständigen Behörde einreichen. Es wurde eine einstweilige Sicherung des Gebietes angeordnet. Nach einer Kartierung und wissenschaftlichen Bestandserfassung wurde am 12.November 1997 die „Verordnung zu einem „Landschaftsschutzgebiet Parforceheide“ erlassen.

Bis 1985 gab es für Berlin das ökologisch weltweit vorbildliche Abwasserbehandlungssystem von Hobrecht. Das im Gebiet geförderte Wasser wurde nach Gebrauch auf stadtnahen speziellen Rieselfeldern verrieselt und kam so in der Region wieder in einen Kreislauf. Mit dem Bau des modernsten Klärwerkes durch Berlin in Stahnsdorf hatte sich die Möglichkeit eines Umbaus der kleinen Rieseltafeln zu großen Einheiten, auf denen fortan mit Großregnern „Klarwasser“ verregnet werden sollte, ergeben. Dieses Prinzip wurde jedoch nicht realisiert, sondern sämtliches gereinigte „Klarwasser“ aller Klärwerke fließt seitdem durch Rohrleitungen in den Teltowkanal und weiter über Havel, Elbe in die Nordsee. Da es sich um mehrere Hunderttausend Kubikmeter Wasserverlust täglich handelt, sind die Folgen für die Landschaft nach einem Vierteljahrhundert gravierend. Das ehemals durch viele Feuchtgebiete mit einer reichhaltigen Flora und Fauna ausgezeichnete Gebiet trocknete aus und Flora und Fauna verarmte.

Geschlinge2001 Bei der Verlegung der Abfahrt Babelsberg und dem sechsstreifigen Ausbau des Avuszubringers entstand ein halbes „Kleeblatt“ mit einem Überflieger“. Dadurch verschwand auch der letzte Durchschlupf für Fußgänger neben der Autobahn. Daraufhin wurde sofort die Forderung nach dem von der DDR nicht erfüllten Versprechen einer Rad-/Fußgängerbrücke gestellt. Vom Beschluß für deren Bau bis zur Realisierung vergingen noch einige Jahre, weil der Güterfelder Bürgermeister diese Brücke durchaus nicht haben wollte und einfach für den Verkauf von einem Wiesengrundstück im Landschaftsschutzgebiet Baulandpreise forderte. Um einen längeren Rechtsstreit mit dem Dorfbürgermeister zu vermeiden entschloß sich die Behörde auf eine Nutzungsmöglichkeit für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer zu verzichten und den Abgang als gewundene steile Treppe zu bauen.

Ein "Selbstversuch" auf der alten Landstraße 40: Peter Ernst beweist, dass die neue parallel geführte Landstraße 40 neu nach Autobahnstandard zur Entlastung des Ortskerns von Güterfelde unverzichtbar ist.

Ein „Selbstversuch“ auf der alten Landstraße 40: Peter Ernst beweist, dass die neue parallel geführte Landstraße 40 neu nach Autobahnstandard zur Entlastung des Ortskerns von Güterfelde unverzichtbar ist.

2005 konnte endlich die Fußgängerbrücke über die Nuthestraße eröffnet werden. Sie wurde wegen der Realisierung nach langer Blockade schon als “Blaues Wunder“ bezeichnet. Sie liegt an der Stelle der Unterbrechung des Rohrlakengestells und bekam deshalb den Namen „Rohrlakensteg“.

2012 begann der Bau einer neuen Landesstraße „L 40“ nach Autobahn-Standard durch das Landschaftsschutzgebiet Parforceheide“. Anlaß war die Forderung nach Schaffung einer kurzen Umgehung des Ortskernes, der in den ersten Jahren nach der DDR, als in Güterfelde Mauerteile geschreddert wurden und im Ort ein vorübergehender großer Kiesabbau stattfand, deren starker Lkw-Verkehr durch das Dorf zu Belastungen führte. Die Forderung war, diesen zu entlasten. Im Laufe der Jahre mit Verhandlungen wurde daraus eine autobahngleiche neue Verkehrstrasse Potsdam Schönefeld neben der alten Landesstraße. Sie schafft die Möglichkeit der Umgehung der vorhandenen mautpflichtigen
Autobahnverbindung A 115 -AVUS Zubringer- und der A 10 – Berliner Ring- sogar mit kleiner Zeiteinsparung. Der Bau der Landesstraße L 40 ergab insgesamt einen zusätzlichen 20-fachen Landverbrauch und eine völlige Veränderung des Landschaftsbildes.

Für die Landschaft bedeuten die dargestellten Entwicklungen einen tief greifenden Wandel, den zu überschauen man sich dargestellter Entwicklungen bewusst werden muß.

Gütergotz/Güterfelde,17. Juni 2015                                     peter E R N S T

Feb 152016
 

Stationierung von Truppen des Vereinigten Königreichs und den USA in der Sowjetischen Besatzungszone während der Potsdamer Konferenz

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Peter Ernst

Die Sowjetunion als Herrscher in der ihr zugefallenen Besatzungszone empfing in dem unbeschädigten Schloß Cecilienhof den Amerikanischen Präsidenten Truman und den Britischen Premierminister Churchill zur Potsdamer Konferenz. Für ihren Schutz kamen nach Potsdam entsprechende nationale Militärkontigente. Darüber habe ich bisher nichts gehört oder gefunden. Deshalb möchte ich schildern, was ich persönlich dazu erlebt habe.

Ich war nach 4 Jahren Volksschule in meinem Wohnort Güterfelde seit 1942 Schüler im Realgymnasium Althoffschule Babelsberg, heute Bertha von Suttner Gymnasium.

Nach dem Ende der Kämpfe biwakten im Wald und in unseren Gärten russische Soldaten unterschiedlicher Herkunft mit ihren kleinen Panjewagen. Diese hatten eine weite Reise und erschöpfende Kämpfe hinter sich und brauchten Entspannung. Zu einer richtigen Siegesfeier gehörten naturlich auch weibliche Partner. Entsprechende Nachrichten hatten die Frauen und Mädchen mittels Makeup mit Ruß und Schmutz „krank“ und mit Lumpenkleidung unattraktiv werden lassen. Doch alles war vergeblich, so abstoßend im wahrsten Sinne des Wortes, konnte keine Frau sein, daß sie von den Soldaten verschmäht wurde.

In dieser Situation kamen plötzlich Konvois westlicher Aliierter bei uns in Richtung Potsdam vorbei. Für die Bevölkerung in der von der Sowjetunion besetzte Zone bedeutete dieses eine Sensation. Plötzlich standen hübsche junge Mädchen am Straßenrand und winkten den Soldaten zu. Die Wirkung auf die sowjetischen Bündnispartner war entsprechend, wie ich noch berichten werde.

Mein Schulweg führte immer über die Großbeerenstraße, und Klassenkameraden wohnten am Stern wo wir oft die Freizeit verbrachten. Jetzt streifte ich täglich durch Feld und Flur auf der Suche nach etwas Essbaren. Dadurch entdeckte ich sofort die Einquartierung englischer Soldaten im Jagdschloß. Mit meinem Schulenglisch sprach ich diese an und hatte sofort Kontakt. Schnell kam die Frage: „Oh can you help us in the kitchen?“ „Oh yes” An der Quelle saß der Knabe, also Hunger hatte ich ab jetzt nicht mehr. Bald nahm ich nette Soldaten mit nach Hause, die bald regelmäßige Abendbesucher waren. Sie begutachteten meine Englisch-Aufsätze und waren für den Familienanschluß dankbar, daß sie praktisch jeden Abend zu Gast waren. Meine nicht Englisch sprechende Tante war über den Satz: „I come to see you tonight“ tief erschrocken, bis ich aufklärte, daß es eine Ankündigung nur für den Abend war. Eines Tages waren die Gäste ausgeblieben. Beim Nächsten Besuch berichteten sie daß es einen Zwischenfall gegeben hätte. Auf dem Heimweg waren sie von Soldaten ihres Bündnispartners unter Beschuß genommen worden. Wie im Krieg mußten sie in dem damals noch beiderseits vorhandenen Chausseegraben zurück in ihr Quartier robben. Zum Glück kamen sie dort heil an. Die Einquartierung im Jagdschloß bestand aus ca 30 bis 40 kanadischen Soldaten. Sie schliefen im Saal des Schlosses aber nutzen die Feuerstelle der Küche nicht, sondern hatten eine mit Benzin beheizte kanalartige Kocheinrichtung auf den Fußboden gestellt, auf der die Töpfe gestellt wurden. Fleisch von mir unbekannter Qualität und Gemüse wurde eingeflogen. Es waren sehr ordentliche Menschen, die nach meiner Kenntnis keine Beschädigungen am Schloß verursachten.

Auf der Wiese hinter dem Kastellanhaus standen ihre Jeeps und Motorräder. Das war eine Attraktion, die alle Welt anzog. Es gab großes Interesse auch an ihren Zigaretten. Mädchen kamen und neugierige Russen.

Eine weitere Gruppe hatte sich an der Kreuzung der Großbeeren- mit der Steinstraße ein Camp im Wald aufgebaut. Diese für mich schöne Zeit fand zusammen mit der Potsdamer Konferenz leider ihr Ende.

Diese Episode der Nachkriegszeit hat bisher wohl keinen Eingang in die Geschichtsbücher und Chroniken gefunden. Ich bin nicht sicher, daß in den Archiven der Schlösserstiftung vermerkt ist, in welchen ihrer Gebäude während der Potsdamer Konferenz es Einquartierungen gab. Deshalb habe ich diese, meine Erinnerungen zu Papier gebracht.

peter E R N S T