Jun 192015
 

Einen ebenso sachkundig wie humorvoll vorgetragenen Einblick in die Jagdleidenschaft Friedrich Wilhelms I. bot der Vortrag von Stefan Rothen aus Rangsdorf zur Rebhuhnjagd in Groß Machnow. Der Vortragende ließ die interessierten Zuhörer an seinen Forschungen und Erkenntnissen über diese Jagdart teilhaben, zu der der König extra besonders schmackhafte ostpreußische Rebhühner aussetzen ließ und mit der Hilfe von Falken jagte.

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Die präsentierten Gemälde aus Schloss Wusterhausen und dem Jagdschloss Stern sowie ein historischer Kartenausschnitt des Amtes „Groß Machenau“ boten Gelegenheit, die vom König extra für die Rebhuhnjagd geschaffenen Einrichtungen in der Umgebung von Mittenwalde zu erkunden und vielleicht auch das Rätsel des auf der Karte neben der Weinbergs-Remise erkennbaren Wegesterns (in der Karte als „Der Hornung“ bezeichnet und von Rothen als der kleine Stern von Groß Machnow interpretiert) zu lösen.

Wie wichtig eine unbefangene Quellenkritik für den Historiker ist, demonstrierte der Vortragende am Beispiel der in der Jagdliteratur und sogar im Deutschen Historischen Museum in Berlin (http://www.dhm.de/archiv/magazine/jagdwaffen/HTMLs/barock.html) unkommentiert wiedergegebenen Darstellung, dass der König auf einer Jagd an einem Tag über 600 Schuß abgegeben habe. Tatsächlich stammte diese Angabe aus  David Faßmanns „Leben und Thaten des Allerdurchlauchtigsten und Großmächtigsten Königs von Preußen Friedrich Wilhelm I. Bis auf gegenwärtige Zeit aufrichtig beschrieben“ von 1735. Wie an dem Gemälde im Saal des Jagdschloss Stern zu sehen, hatte der König alleine das Privileg zu dieser Jagd und ließ sich von seinen Gehilfen jeweils eine fertig geladene Vogelflinte reichen. Alleine durch eine überschlägige Berechnung der Anzahl von 12 für den König gefertigten Jagdgewehre, der Dauer des Ladevorgangs und der anschließenden Reinigung ließ sich auch für mathematische Laien unschwer nachvollziehen, dass die angegebene Zahl von Schüssen an einem Jagdtag schon zeitlich nicht zu erreichen war. Berücksichtigt man dazu noch die Haltbarkeit dieser historischen Vorderladerwaffen bei einem solchen „Dauerfeuer“ (die aktuelle Diskussion um das Sturmgewehr G 36 lässt grüßen) und die physische Belastung der Schulter des Schützen durch den Rückstoß belegt dies die maßlose Übertreibung Faßmanns und sollte Anlass geben, auch den Wahrheitsgehalt seiner anderen Angaben zu den Begebenheiten am Hofe Friedrich Wilhelms I. zu kritisch hinterfragen. Womöglich hat sich Faßmann, der ja zu den „Lustigen Räten“ an des Königs Tafel gehörte, auch hier nur einen Scherz erlaubt und wäre gewiss entzückt darüber, dass seine Übertreibungen auch heute noch von gelehrten Historikern für bare Münze genommen werden.

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Ein nicht gelöstes Rätsel blieb für Stefan Rothen die jagdliche Bedeutung des auf dem Gemälde im Jagdschloss Stern abgebildeten Hochstands im Hintergrund der Bildmitte, für die sich bisher kein Beleg in der Jagdliteratur finden ließ. Da sich der Maler dem kritischen Blick des königlichen Auftraggebers gewiss sein konnte, erscheint es aber unwahrscheinlich, dass er hier etwa künstlerische Freiheit walten ließ. Möglicherweise war es der erhöhte Standort für den Falkner, der die (oberhalb des hier gezeigten Bildausschnitts kreisenden) Raubvögel einsetzte, um die Rebhühner am Boden zu halten, bis sie vom Hund des Königs aufgescheucht wurden.

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