
Die in die Wandvertäfelung im Saal des Jagdschlosses Stern eingelassenen Gemälde zeigen König Friedrich Wilhelm I. bei drei von ihm bevorzugt ausgeübten Jagdarten, der Jagd auf Rebhühner, der Hirschhetze und der Wildschweinjagd. Ob es sich bei dem Maler um Georg Lisiewski (1674-1750) oder Dismar Degen (1700-1753) handelt, die beide zur Zeit der Errichtung des Jagdschlosses Stern im Dienst des Königs standen, ist nicht eindeutig geklärt. Bei den aktuell im Jagdschloss Stern präsentierten Bildern handelt es sich um originalgetreue Foto-Reproduktionen der aus konservatorischen Gründen nach der letzten Restaurierung im Gemäldedepot der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) verbliebenen Originale aus der Entstehungszeit des Schlosses, die ebenso wie die Geweihe des „Großen Hans“ zur ursprünglichen Ausstattung des Saales gehörten.
Das heute ganz links gehängte Gemälde stellt eine Rebhuhnjagd dar, bei der der König im Moment des – selbstverständlich erfolgreichen – Schusses auf eine Kette von abstreichenden Rebhühnern abgebildet ist. Ein Rebhuhn ist getroffen und wird gleich von einem Jagdhund apportiert. Den in grüner Jagduniform (mit weißen Gamaschen!) gekleideten König umgeben sechs ebenso gekleidete Jagdgehilfen, die bei den verschiedenen Handgriffen zum Laden, Reinigen, Spannen und Anreichen der vom König genutzten Vorderladerflinten gezeigt werden. Hier jagt tatsächlich also nur der König. Ein weiteres jagdlich interessantes Detail in dem Gemälde sind zwei über der Szene kreisende Jagdfalken oder gezähmte Bussarde, die von einem verdeckt auf einer Art Hochstand platzierten Falkenier in die Luft gelassen wurden, um die Rebhühner so lange am Boden zu halten, bis der König auf Schussweite herankommen konnte.
Die nächsten drei hier in Auschnitten gezeigten Gemälde im Saal stellen den Ablauf einer Parforcejagd auf einen ausgewählten Hirsch dar, wie sie in den beiden königlichen Parforce-Gärten in Potsdam und Königs Wusterhausen stattfand. Für die über weite Strecken quer durch das Gelände erfolgende Parforcejagd bedurfte es einer guten Orientierung im Gelände, die mit einem sternförmig angelegten Schneisensystem erleichtert werden konnte. Der zentrale Platz war Ausgangspunkt der Jagd und gut wieder zu erreichen, indem man eine der Schneisen zurückritt (ähnlich auch im Berliner Tiergarten mit dem Großen Stern, auf dem heute die Siegessäule steht, und zu kurfürstlichen Zeiten ebenfalls als Hofjagdrevier diente).
Für die Parforcejagd wurde von den Wildhütern zuvor ein bestimmter Hirsch aufgespürt und das vorgesehene Jagdgebiet dadurch eingegrenzt, dass die den Jägern bekannten Wildwechsel im Gelände mit Tüchern, den so genannten Jagdlappen gesperrt wurden, damit das Tier ein bestimmtes „Tortenstück“ der Sternanlage bis zum Beginn der Jagd nicht verließ. Trotzdem ist bei der Jagd dann doch hin und wieder ein Hirsch „durch die Lappen gegangen“, auch wenn dies aus naheliegenden Gründen nicht in den im königlichen Auftrag entstandenen Bildern dargestellt ist.
Auf dem ersten der drei ursprünglich in umgekehrter Reihung gehängten Gemälden (siehe den Beitrag „Theodor Fontane im Jagdschloss Stern„) ist der König in blauer Uniform mit dem Stern des Schwarzen Adlerordens an der Brust auf einem schwarzen Pferd abgebildet. Dazu die Jagdequipage aus rotgekleideten Piqueuren mit der Hundemeute vor der Jagd auf einen Hirsch, der links im Wald zu sehen ist. Am rechten Bildrand die Gruppe der fürstlichen Jagdgesellschaft aus hohen Beamten und Offizieren, mit denen der König dann nach der Jagd im Saal des Jagdschlosses zusammensaß.
Auf dem mittleren Bild beginnt die Hetzjagd, der Hirsch flieht und die von den Piqueuren begleiteten Hunde nehmen seine Spur auf. Der König (nun auf einem weißen Pferd) reitet an der Spitze der Jagdgesellschaft.
Das letzte Bild zeigt das Ende der Hetzjagd, der Hirsch bricht erschöpft zusammen und wird von der Hundemeute umringt, die von den Piqueuren mit Peitschen zurückgedrängt wird. Dar Fangstoß für den Hirsch mit einem kurzen Jagdschwert (dem sog. Hirschfänger) war dem König vorbehalten und erforderte besonderes Geschick und Mut, was für Friedrich Wilhelm I. gewiss den besonderen Reiz dieser Jagdart ausmachte. Interessant an diesem Gemälde ist auch die Szene im Hintergrund: Die dort stehende Kutsche zeigt, dass der König jedenfalls die Strecke zurück zum Jagdschloss nicht mehr zu Pferde zurücklegte. Dies weist auf die geschwächte körperliche Konstitution des Königs hin, die vermutlich auch den Anlass für die Errichtung des Jagdschlosses Stern bildete. Es ist bemerkenswert, dass sich der König auf den für dieses Schloss angefertigten Gemälden so realistisch darstellen lässt.
In der Jagdgesellschaft ist auf allen drei Gemälden übrigens der engste Jagdfreund des Königs, Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau (1676-1747), an seinem charakteristischen Oberlippenbart gut zu erkennen und hier in grüner Jagdmontur mit goldenem Besatz abgebildet.
Anhand der goldenen Tressen auf seiner roten Piqueuruniform mit grünen Aufschlägen ebenfalls gut identifizierbar ist der Ober- und Hofjägermeister Georg Christoph Graf v. Schlieben (1646-1748); zu Graf v. Schlieben vgl. auch den Beitrag „Der Mann in Rot„.
Das Gemälde ganz rechts über der Tür zum Saal zeigt schließlich eine Wildschweinjagd. Das in die Enge getriebene Tier wehrt sich und hat bereits einen der angreifenden Hunde verletzt. Zwei Jagdgehilfen eilen mit Peitsche und einem Spieß (der sog. Saufeder) zu Hilfe, um das Wildschwein zu erlegen. Im Hintergrund ist eine Sauhetze zu Pferde zu sehen, bei der die fliehenden Tiere vom Reiter mit einer Lanze getötet werden.
Die ursprüngliche Annahme, dass sich der König hier zusammen mit seinem ältesten Sohn und Nachfolger, Kronprinz Friedrich (später Friedrich II.), abbilden ließ, ist nach Prüfung durch Prof. Dr. Jürgen Kloosterhuis (ehem. Direktor des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz) zu dem im Schloss Königs Wusterhausen befindlichen Pendant dieses Gemäldes widerlegt, da der Kronprinz auch nach dem Konflikt um seinen Fluchtversuch und die Hinrichtung seines Freundes Hans Herrmann v. Katte (1704-1730) weiterhin stets mit dem Stern des Schwarzen Adlerordcns auf der linken Brustseite portraitiert wurde. Prof. Kloosterhuis nimmt an, dass es sich bei den beiden Schimmelreitern um Herzog Ferdinand Albrecht II. von Braunschweig-Bevern und seinen Sohn Karl handeln könnte, der sich im Mai 1730 mit Friedrich Wilhelms I. Tochter Philippine Charlotte verlobte und im Juli 1733 sein „liebster Schwiegersohn“ wurde (vgl. Margrit Christine Schulze / Jürgen Kloosterhuis, „Was uns bunte Röcke sagen“. Neue Blicke auf den Bilderrreichtum im Schloss Königs Wusterhausen, 2021, S. 110 ff.). Im Hintergrund (in grüner Jagduniform) könnte der als Adjutant des Königs, Hofjägermeister sowie Hauptmann im Königsregiment dienende Hans Christoph v. Hacke (gespr. Haake) abgebildet sein; vgl zu diesem den Beitrag „Hans Christoph Friedrich Graf v. Hacke – ein treuer Diener zweier Könige„.
Das Motiv dieses Gemäldes ist in abgewandelter Form auch im niederländischen Schloss Middachten (bei Arnheim) zu sehen. Das dort ebenfalls als Supraporte eingelassene Gemälde zeigt im Hintergrund (in weißer Uniform) Reinhard v. Reede-Ginkel (1678-1747), der als Gesandter der Generalstaaten am Preußischen Hof wirkte und vom König als Diplomat und Jagdfreund sehr geschätzt wurde. Er könnte das Bild von Friedrich Wilhelm I. als Andenken geschenkt bekommen haben oder selbst Auftraggeber der Kopie gewesen sein.
Der König selbst und drei seiner Begleiter tragen auch hier einen blauen Rock mit schmalem rotem Kragen ohne die bei militärischen bzw. den außerhalb des Dienstes getragenen sog. Interimsuniformen üblichen roten Aufschläge. Nach Prof. Kloosterhuis dürfte es sich hierbei um eine spezielle blaue Jagdmontur handeln, die der König und ein Teil seiner Jagdgäste ebenfalls auf den Gemälden zur Parforcejagd tragen (vgl. Schulze / Kloosterhuis, aaO, S. 112).
Ein weiteres uniformtechnisch interessantes Detail ist die Montur der Jagdgehilfen im Vordergrund mit eng geschnittener grüner Ärmelweste, grüner Hose und weißen Gamaschen, während der Jagdgehilfe mit der Saufeder dieselbe Montur, allerdings mit gelber Hose und schwarzen Gamaschen trägt. Die hier und auch im Gemälde mit der Rebhuhnjagd abgebildeten gelblichen Hosen, weißen Gamaschen und vorne eckigen Stiefeletten entsprechen unverkennbar der um 1730 in den preußischen Regimentern üblichen Montur (lediglich die Grenadiere des königlichen Leibregiments, die sog. Langen Kerls, trugen unter den traditionell blauen Uniformröcken mit roten Aufschlägen Westen und Hosen aus rotem Wollstoff). Da in der preußischen Armee die im Gelände weitaus praktischeren schwarzen Gamaschen erst 1756 eingeführt wurden, könnte dies ein Beleg dafür sein, dass die Uniformierung der Jägerei auch als Experimentierfeld für eine militärisch zweckmäßige Bekleidung diente.











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