
Am 2. Januar 1726 schrieb König Friedrich Wilhelm I. an seinen Jagdfreund Fürst Leopold von Anhalt-Dessau: „ich muhs Eurer Lieben sagen das ich zwey tirgarten anlege zur Parforcejacht ein(en) zu Potsdam den ander(n) zu wusterhausen sie werden ab(er) or(den)tl(ich) werden und sollen fix und fertig sein in augusto wo nit krig wirdt hoffe das sie werden Plesir machen aber über 40. hunde will ich nit haben es kost(et) so viell der Potsdammische wierdt extraschön ich bin alle dage dabey gewehßen auszustecken und habe müßen mit die Edelleutte handelen wegen Ihre heide sonsten es nit recht geworden wehre“ (so die Umschrift des originalen Wortlauts des vom König eigenhändig verfassten Schreibens, zitiert nach Acta Borussica, Die Briefe König Friedrich Wilhelms I an den Füsten Leopold zu Anhalt-Dessau 1704-1740, bearbeitet von O. Krauske, Berlin 1905, S. 328, FW I_ an Leopold von Anhalt-Dessau vom 2. Januer 1726).
In diesem Schreiben erfolgte die erste Erwähnung des bis heute als Parforceheide bekannten Wald- und Feldgebiets zwischen den Dörfern Neuendorf, Stolpe, Drewitz, Gütergotz (Güterfelde) und Stahnsdorf. Der mit einem Palisadenzaun umhegte „Königliche Parforcegarten“ reichte bis an die Gemarkung Kleinmachnow und südlich bis nach Philippsthal. In den Wald wurden ursprünglich 16 Schneisen (Gestelle) geschlagen, die sternförmig zum Mittelpunkt der Jagdanlage führten. Der Wegestern diente der leichteren Orientierung nach der Jagd und ermöglichte auch ein Absperren von querenden Wildwechseln mit Hilfe von Tüchern oder Jagdlappen, um so das jeweilige Jagdgebiet näher einzugrenzen. Ausgeführt wurde die Aktion vom „Königlichen Conducteur und Landmesser bei der Jägerei“ Conradt Henning mit 258 Mann. Die planierten Gestelle hatten eine Breite von 1 1/2 preußischen Ruten, umgerechnet rund fünfeinhalb Metern. Schon im Jahr darauf war das Werk vollendet. Mit dem 1730-32 an dem Wegestern im holländischen Stil errichteten kleinen Jagdschloss und dem dazu gehörenden Gebäudeensemble wurde hier eine auch heute noch im Landschaftsbild gut erkennbare barocke Jagdanlage geschaffen.
In späteren Briefen berichtet Friedrich Wilhelm I. über erfolgreiche Hirschjagden in den beiden neu angelegten Jagdrevieren. Für den Postdamer Parforcegarten sehr interessant ist die Mitteilung an Fürst Leopold von Anhalt-Dessau in einem Schreiben vom 17. Dezember 1729: „ich habe in zwei jagen 136. guhte saue bekommen ich habe auch etl(iche) guhte hirsche vo(n) Pirschheide nach den tirgarten getriben darunter ist der hirs(ch) den sie mir mahll haben gewießen“, zitiert nach Acta Borussica, aaO, S. 437). Der als seinerzeitiges Geschenk des Fürsten von Anhalt-Dessau erwähnte Hirsch, der mit seinen weiteren Artgenossen im Dezember 1729 aus der westlich von Postdam gelegenen Pirschheide wohl über die Nuthewiesen zum Stern getrieben wurde, dürfte wohl der noch heute mit seinen Abwurfstangen im Saal des Jagdschlosses präsente „Große Hans“ gewesen sein.
P.S. Wenn man auf die Kartenabbildungen klickt, erscheinen sie in großer Auflösung.



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